Impressionen werden in Vorstellungen, Ideen und Gedankenformen verwandelt

Dies bewirkt er durch eine wachsende Erkenntnis seiner selbst und dadurch, daß er die k Kunst des Aufnehmens /k von Impressionen lernt. Je klarer und tiefer er den Eindruck aufnehmen kann, dem er sich aussetzt und für den er empfänglich ist, desto leichter wird er jene erreichen, denen er zu einer umfassenderen und tieferen Einsicht verhelfen muß. Diese Wahrnehmung, daß sich die eigene Umwelt erweitert, — mit all dem, was sich daraus an neuer Schau, neuem Ziel und einem umfassenderen Dienstbereich ergibt — führt dazu, daß die einströmenden Energien, die auf den Flügeln der Inspiration kommen, zu einem Sammelbecken von Gedankensubstanz werden,

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an deren Anwendung er sich gewöhnen muß. Der erste Schritt ist dann der, daß der Jünger das, was er wahrgenommen hat, tatsächlich

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aufnimmt und festhält, und daß er es in korrekte und brauchbare Vorstellungen, Ideen und Gedankenformen verwandelt und reduziert. Dies kennzeichnet die erste Stufe seines wahrhaft okkulten Dienstes, und dieser neuen Art des Dienstes wird er sich immer mehr k widmen /k. Er lernt, aus dem Sammelbecken der Gedankensubstanz jene Formen, jene magnetischen Ideen hervortreten zu lassen, welche die Aufmerksamkeit derer anrufen werden, denen er zu helfen sucht; dies nennt man die Stufe k der sich als Folge ergebenden Anrufung /k. Es ist ein Akt des Anrufens, eine invokative Lebensweise, die den Weg in das Denken der Menschen finden und bei ihnen eine Resonanz und ein sich erweiterndes Bewußtsein hervorrufen werden. Es werden dadurch die Prozesse geistiger Beeinflussung in Gang gebracht; auf Seiten des Jüngers ist es auch eine Anrufung nach weiteren und größeren Impressionen und Inspirationen, damit seine Fähigkeit zum Dienst gesteigert wird.

Große Gottessöhne und Invokation

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit göttlichen Eingreifens, die

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noch viel geheimnisvoller und unermeßlich mächtig ist; es ist sehr schwierig, diese Intervention durch Evokation zu erreichen. Es handelt sich um große Gottessöhne, die auf dringende Bitten hin aus ihren fernen kosmischen Residenzen kommen. Das Erscheinen dieser mit gewaltiger göttlicher Machtfülle ausgestatteten Wesenheiten auf Erden ist jedoch nur dann möglich, wenn die k geballte /k Absicht einer ungeheuren Anzahl von Menschen so stark und weitreichend ist, daß sie den die Erde schützenden Schleier durchstößt und jene fernen Regionen erreicht, wo diese großen Gottessöhne ihren dauernden Wohnsitz haben. Sie können weder durch Gebete noch durch heißes Wünschen (die Ausdrucksform des Wunschlebens der Massen) erreicht werden; sie befinden sich jenseits und außerhalb des Bereiches von Empfindungen (wie die Menschheit sie versteht) und weilen immerwährend an jenen hohen Stätten, die nur durch zielstrebig gelenktes selbstloses Denken erreicht werden können.

Gibt es heute in der Welt genügend viele Menschen, deren konzentriertes und erleuchtetes Denken zusammengefaßt und auf diese großen Wesen in einer solchen Weise gerichtet werden kann, daß sie interessiert und dazu gebracht werden, dem Ruf der Menschheit, sie aus der Notlage zu erretten, Gehör zu schenken? Das ist die große Frage. Es ist möglich, aber kaum wahrscheinlich. Dieses starke Verlangen müßte von der geistigen Hierarchie und von der Menschheit gemeinsam und gleichzeitig geäußert werden, und das ist wahrhaftig nicht leicht.

Aber gerade aus diesem Grund wurden diese drei Stanzen einer uralten Invokation zugänglich gemacht und jetzt in eure Hände gegeben. Wenn ihr diese Sätze als k Ausdruck starken Verlangens /k [13-262] k und mit der Kraft voller Überzeugung /k laut sprecht, und zwar in Übereinstimmung mit den höchsten geistigen Kräften (ganz gleich, wie ihr sie nennt, die eure Gefolgschaftstreue fordern und verdienen), dann besteht vielleicht eine Chance, daß diese hohen Wesen zu einer Aktion besonderer Art veranlaßt werden könnten. Das könnte zu so glückverheißenden Veränderungen führen, daß ein neuer Himmel und eine neue Erde sehr bald Wirklichkeit werden könnten. Dieser Versuch, sich an einem hierarchischen Unternehmen zu beteiligen, kann keinesfalls schaden. Planmäßige Zusammenarbeit mit dem Werk Christi ist derzeit nützlich und notwendig; sie wird zumindest dazu beitragen, das Denken der Menschheit aufzurichten und geistig dauernd zu festigen. Große Kräfte und die Auswirkungen k uralten Übels /k toben sich jetzt auf Erden aus, entfesselt durch außergewöhnliche Selbstsucht, Grausamkeit und Fehler der Menschen. Diese bösen Kräfte haben ihren Brennpunkt in einem unglücklichen Volk und in der Machtposition einiger gefährlicher Männer, die — besessen von Selbstsucht und Verruchtheit — dem Einfluß dieser zerstörenden Kräfte leicht erliegen. Ist es möglich, schon jetzt das ewige Gute hervorzurufen, das in großen Wesenheiten ruht, die normalerweise mit der Menschheit erst in ferner Zukunft in Berührung kommen würden? Könnte dieser verstärkte und vertiefte geistige Kontakt schon jetzt hergestellt werden? Das ist die große Frage. Falls dies zustande käme, könnten vielleicht die üble Vergangenheit und die glorreiche Zukunft in der unglücklichen Gegenwart zusammentreffen und ein Ereignis auslösen, das gewaltige Veränderungen mit sich bringen würde.

Ich möchte noch bemerken, daß die Hervorrufung dieses göttlichen Kontaktes an sich schon gefahrvoll ist, verbunden mit Vernichtung und Zerstörung. Man kann die Folgen für die Menschheit nicht voraussagen, denn sie ist noch nicht daran gewöhnt, auf so hohe göttliche Wesen und Einflüsse reagieren zu können. Dessenungeachtet könnte ein Versuch in der jetzigen Zeit mit weniger Gefahren gewagt werden, falls sich genügend viele Menschen in geistiger und selbstloser Verbundenheit zusammentun, um als Kanäle oder Vermittler für diese neuen und unbekannten geistigen Kräfte zu fungieren. Es gibt göttliche Attribute, Qualitäten und Wirkkräfte, die nicht einmal von der höchsterleuchteten Menschheit aller Zeiten bisher wahrgenommen, verspürt oder erschaut

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wurden. Dennoch existieren diese Mächte. Wenn die geistig eingestellte Menschheit die derzeitige Krise in der richtigen Weise nützt und lenkt, dann könnten vielleicht einige dieser höheren Energien entbunden und ein tatsächlicher Einströmungsweg geschaffen werden, auf dem sie herankommen und die Erde erreichen könnten. Denkt darüber nach, und begrenzt die Gottheit nicht durch starres Denken und durch die beschränkten Ansichten kleiner Geister.

Das Freimachen großer unpersönlicher Kräfte ist immer eine kritische Sache. Die Wirkungen hängen von der Qualität der Aufnahmefähigkeit und Wesensart der Formen ab, auf welche diese Kräfte einstürmen. Wenn in der Chemie ein Katalysator mit bestimmten Substanzen in Berührung kommt, bewirkt er etwas ganz Neues und bringt Veränderungen hervor, die normalerweise nicht zu erwarten waren. Die Wissenschaft beginnt jetzt diese Dinge zu erforschen und zu verstehen. Noch viel weniger läßt sich voraussagen, welche Folgen ein Eingreifen gewisser gewaltiger und einzigartiger Wirkkräfte in das Weltgeschehen haben und welche Wirkung sie auf die — einander beeinflussenden — Kräfte des Lichts und Kräfte der Aggression ausüben würden. Die Lage für die Gesamtmenschheit bliebe nur in dem Fall ungefährdet, wenn die geistig eingestellten Menschen in der Welt die Dinge richtig begreifen und in ihrer Opferbereitschaft unerschütterlich bleiben würden, wenn sie die Vision klar erschauen und vereint einen Brennpunkt in der Welt bilden. Bedenkt und beachtet das, wenn ihr die Große und neue Invokation sprecht.

Die Geistige Hierarchie tritt in Erscheinung, 13-320