Helena Petrovna Blavatsky – Wiki

Helena Petrovna Blavatsky

aus:  http://de.wikipedia.org/wiki/Blavatsky
(Weitergeleitet von Blavatsky)

Helena Blavatsky (1877)

Helena Petrovna Blavatsky (gebürtig Helena Petrovna von Hahn-Rottenstein; nach erster Verehelichung russisch Елена Петровна Блаватская, Jelena Petrowna Blawatskaja, engl. Transkription Yelena Petrovna Blavatskaya; nach zweiter Verehelichung Helena Betanelly; * 31. Julijul./ 12. August 1831greg. in Jekaterinoslaw, heute Dnipropetrowsk, Ukraine; † 8. Mai 1891 in London), war eine Okkultistin und Schriftstellerin deutsch-russischer Herkunft. Sie gilt als die wichtigste Begründerin der modernen oder anglo-indischen Theosophie und wurde vor allem als Autorin der Bücher Isis Unveiled (1877, deutsch: Isis entschleiert) und The Secret Doctrine (1888, deutsch: Die Geheimlehre) bekannt.

Leben

Kindheit und Jugend

Helena von Hahns Vater war Peter von Hahn, ein deutscher Offizier in russischen Diensten; ihre Mutter Jelena Hahn, geborene Fadejewa, entstammte altem russischem Adel und war eine bekannte Romanautorin. Als Kind lebte sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern bei den Großeltern. Der Vater war als Mitglied der Russischen Armee in ständig wechselnden Garnisonen im Kaukasus stationiert.

Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter, und Helena verbrachte den Rest ihrer Kindheit bei den Großeltern. Der Großvater war hoher Regierungsbeamter in den neu entstandenen Provinzen des russischen Großreichs und wechselte öfters den Standort. Als Heranwachsende zeichnete sie, spielte Klavier und galt als ausgezeichnete Reiterin, die gerne halbwilde Pferde zuritt. Sie soll aufbrausend und rebellisch gewesen sein und fügte sich nur schwer in die Konventionen ihres gesellschaftlichen Standes. Zeitgenossen beschrieben sie als vom Typ her eher maskulin.

Schon als Kind erregte sie als „Schreibmedium“ einiges Aufsehen.[1] Ihr Interesse für Esoterisches wurde durch die umfangreiche Bibliothek ihres Urgroßvaters, eines Freimaurers mit rosenkreuzerischer Ausrichtung, gefördert, die sie ausgiebig studierte.[2]

Wanderjahre

Blavatsky als junge Frau

Mit siebzehn Jahren heiratete sie den gut zwanzig Jahre älteren Nikifor Blavatsky (*1809), den Vizegouverneur der russischen Provinz Jerewan im heutigen Armenien. Schon während der Flitterwochen verließ sie ihn jedoch. Die Ehe bedeutete ihr nach eigenen Angaben nichts und soll nie vollzogen worden sein.

Die folgenden Jahre liegen weitgehend im Dunkeln. Nach ihren eigenen, großenteils unbestätigten und gelegentlich auch widersprüchlichen Angaben[3] verbrachte Blavatsky die nächsten 25 Jahre überwiegend auf Reisen in Europa, Asien und Amerika. Auf diesen Reisen, die von ihrem Vater und Großvater finanziert worden seien, habe sie von Eingeweihten und „Meistern“ die Grundlagen ihrer späteren Lehren vermittelt bekommen.

1850 lernte sie in Kairo den koptischen Magier und Okkultisten Paulos Metamon kennen, der in diesen frühen Jahren einer ihrer Lehrer gewesen sein soll.[4][5] 1851 habe sie, wie sie später angab, in London erstmals den „Meister Morya“ getroffen, der ihr schon in ihrer Kindheit in Visionen erschienen sei. Angeregt durch die Romane von James Fenimore Cooper reiste sie anschließend nach Québec, wo sie den indianischen Schamanismus studieren wollte.[5] Es folgte ein Aufenthalt in New Orleans mit Nachforschungen über den dort gepflegten Voodoo, und das Jahr 1852 verbrachte sie überwiegend in Lateinamerika. Noch im selben Jahr begab sie sich nach Indien und versuchte erstmals, allerdings ohne Erfolg, in das damals sehr abgeschottene Tibet zu gelangen. Auch in den folgenden Jahren hielt sie sich überwiegend im Mittleren und Fernen Osten und in den USA auf, und um 1856 soll sie erstmals für kurze Zeit Tibet betreten haben.[5]

Die Jahre 1858 bis 1863 verbrachte Blavatsky hauptsächlich im Familienkreis in Russland und teilweise auch mit ihrem Ehemann in Tiflis.[6] Wo sie sich in den folgenden Jahren aufhielt, ist unklar. Von etwa 1862 bis 1867 kümmerte sie sich um einen Knaben namens Juri.[6] Es kamen Gerüchte auf, dass er ihr leiblicher Sohn sei, was aber unwahrscheinlich ist, da sie an einer wohl angeborenen Missbildung der Gebärmutter litt.[6] Nachdem Juri 1867 gestorben war, schloss Blavatsky sich dem italienischen Risorgimento an und wurde in der Schlacht von Mentana mehrfach verwundet.[6]

1868 trat nach Blavatskys Angaben der Meister Morya mit ihr in Kontakt, und sie reisten gemeinsam nach Tibet, wo sie sich längere Zeit in Xigazê, dem Sitz des Penchen Lama, aufgehalten habe und in den tibetanischen Buddhismus eingeweiht worden sei.[7] Ob sie tatsächlich jemals in Tibet war, ist umstritten. Das Land war damals für Fremde praktisch unzugänglich. Für Blavatskys Behauptungen sprechen jedoch ihre im Westen bis dahin ungekannten Berichte über die Stadt Xigazê und ihre fortgeschrittenen Kenntnisse des Mahayana-Buddhismus, die ihr von angesehenen buddhistischen Gelehrten bescheinigt wurden.[8]

In den folgenden Jahren hielt Blavatsky sich überwiegend im Nahen Osten auf, wo sie weitere Meister getroffen habe, die mit griechischen, koptischen und Drusen-Mysterien vertraut waren.[8] 1873 habe Morya erneut mit ihr Kontakt aufgenommen und sie angewiesen, sich nach New York zu begeben.[8]

New Yorker Jahre

Blavatsky und Olcott 1888

Da ihr Vater, der bislang ihre Reisen großzügig finanziert hatte, unlängst verstorben war, kam Blavatsky fast mittellos in New York an und lebte anfangs in ärmlichen Verhältnissen.[9] Über das gemeinsame Interesse an spiritistischen Séancen lernte sie 1874 den angesehenen New Yorker Rechtsanwalt Henry Steel Olcott kennen, mit dem sie bald eine lange und innige Freundschaft verband. Blavatskys Begeisterung für den Spiritismus hielt jedoch nicht lange an. Schon bei ihrer ersten Begegnung mit Olcott im Oktober 1874 kritisierte sie (in Olcotts Worten) „die materialistische Tendenz im amerikanischen Spiritismus, der in einer Art Schwelgen in Phänomenen bestehe, begleitet von vergleichsweiser Gleichgültigkeit gegenüber philosophischen Fragen“.[10]

Etwa Anfang 1875 begann Blavatsky, esoterische Lehren zu verkünden, wobei sie zunächst an die westliche esoterische Tradition anknüpfte.[11] Ihre Wohnung am Irving Place in Manhattan entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Leute, die sich für ihre Lehren interessierten. Parallel begann sie, ihr erstes Buch zu schreiben, und im Juli 1875 erschien in der Zeitschrift Spiritual Scientist ein Artikel, in dem sie ihre Ansichten erstmals, und recht detailliert, öffentlich darlegte. Mit dieser Publikation führte sie anscheinend auch die bis dahin nur im Französischen gebräuchliche Bezeichnung occultisme ins Englische ein.[12]

In Blavatskys Wohnung wurde im Herbst 1875 auch die Theosophische Gesellschaft (TG) konzipiert und begründet, wobei Olcott, der als erster die Idee zu einer solchen Gesellschaft geäußert hatte, als Präsident gewählt wurde.[13] Als Aufgabe der Gesellschaft wurde im Protokoll der Gründungsversammlung[14] das Studium des Okkultismus, der Kabbala und ähnlicher Lehren der westlichen Esoterik festgehalten. Laut der später ausgearbeiteten Satzung sollte es darum gehen, „Wissen über die Gesetze, welche das Universum beherrschen, zu sammeln und zu verbreiten“.[15]

1877 erschien Isis Unveiled – A Master Key to the Mysteries of Ancient and Modern Science and Theology (deutsch: Isis entschleiert), ihr erstes größeres Werk, in zwei Bänden mit etwa 1300 Seiten.[16] Der erste Band, betitelt The ‚Infallibility‘ of Modern Science (Die ‚Unfehlbarkeit‘ der modernen Wissenschaft), beginnt mit einer Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Naturwissenschaft (Charles Darwin, Thomas Henry Huxley), deren materialistische Ausrichtung Blavatsky kritisiert. Im Anschluss behandelt sie alternative Lehren wie den Spiritismus, den Mesmerismus und die Kabbala sowie die von diesen postulierten verborgenen Kräfte der Natur. Band zwei (Theology) enthält Vergleiche des Christentums mit anderen Religionen, wobei Blavatsky postuliert, dass ihnen allen eine ursprüngliche „Weisheitsreligion“ (wisdom-religion) zugrundeliege. Das Werk war ein großer Erfolg; die erste Auflage war nach zehn Tagen vergriffen.[17]

Auch die TG begann, international Aufmerksamkeit zu erregen.[18] Es wurde eine Tochtergesellschaft in London gegründet, und Kontakte mit Indien und Ceylon, wo Blavatskys Eintreten für die dortigen religiösen und kulturellen Traditionen auf Sympathie stieß, führten zu einer Kooperation mit der hinduistischen Reformbewegung Arya Samaj. Die Ziele der TG wurden 1878 um eine ausdrückliche Anerkennung östlicher Religionen erweitert, und als das bis heute gültige primäre Ziel wurde die Bildung einer universalen Bruderschaft der Menschheit formuliert.

Am 8. Juli 1878 erhielt Blavatsky die amerikanische Staatsbürgerschaft. Gegen Ende des Jahres verließ sie jedoch mit Olcott die USA und kehrte nie zurück.

Aktivitäten in Indien

Im Februar 1879 ließ sich Blavatsky mit Olcott in Bombay nieder, was einiges Aufsehen in der indischen Presse erregte.[19] Bald darauf begann sie mit der Arbeit an ihrem zweiten großen Buchprojekt, und im Oktober erschien erstmals The Theosophist als monatliches Publikationsorgan der TG. Durch ausgedehnte Reisen und durch Korrespondenzen mit führenden Intellektuellen und Politikern Indiens warben Blavatsky und Olcott eifrig für die Theosophie.[20] Ihr Eintreten für die indische Religion und Philosophie traf mit dem wieder erstarkenden Selbstbewusstsein des indischen Bildungsbürgertums gegenüber den Einflüssen der europäischen Kolonialmächte zusammen. Ranbir Singh, der Maharaja von Kaschmir, sponserte ihre Reisen. Ein weiterer wichtiger Verbündeter war Sirdar Thakar Singh Sandhanwalia, der Begründer der Singh-Sabha-Bewegung, einer Reformbewegung der Sikh im Punjab.

Während eines Aufenthalts auf Ceylon, wo sie von großen Menschenmassen empfangen wurden, bekannten sich Blavatsky und Olcott im Mai 1880 zum Buddhismus.[21] (Blavatsky hatte sich allerdings schon während ihrer New Yorker Zeit als Buddhistin bezeichnet.[19])

Im Dezember 1882 wurde der Hauptsitz der TG in die Ortschaft Adyar in der Nähe von Madras verlegt, und nach Jahren intensiver Reisetätigkeit verbrachte Blavatsky das Jahr 1883 überwiegend dort und schrieb zahlreiche Artikel für den Theosophist.[22] Darin behandelte sie vor allem das Konzept der siebenfältigen Konstitution der Menschheit und des Kosmos, das an die Stelle des in alten europäischen Traditionen wurzelnden dreigliedrigen Schemas, welches sie in Isis Unveiled dargestellt hatte, trat[23] und seither in der modernen Theosophie grundlegend ist.

Im Jahr 1884 hielten sich Blavatsky und Olcott längere Zeit in Europa auf, wo die Theosophie ebenfalls zunehmend Anhänger fand.[22] Während ihrer Abwesenheit erschien im September 1884 im Madras Christian College Magazine ein Artikel, in welchem Blavatsky des Betrugs im Zusammenhang mit den sogenannten Meister-Briefen bezichtigt wurde.[19] Diese Briefe, die seit 1880 in großer Zahl bei verschiedenen Theosophen eingingen, wurden den „Meistern“ Koot Hoomi und Morya zugeschrieben, die darin ihre Lehren darlegten.[19][21] Im Madras Christian College Magazine wurde nun unter dem Titel The Collapse of Koot Hoomi behauptet, diese angeblichen Meisterbriefe seien in Wirklichkeit von Blavatsky verfasst worden. Der Artikel stützte sich auf die Aussagen einer ehemaligen Mitarbeiterin der TG in Adyar, Emma Coulomb (daher „Coulomb-Affäre“), und auf angebliche Briefe Blavatskys an Coulomb, die Coulombs Aussagen stützten. Blavatsky widersprach diesen Anschuldigungen entschieden, unterließ jedoch auf Abraten Olcotts und Anderer rechtliche Schritte.[24] Diese Affäre beschädigte das Ansehen Blavatskys und der TG massiv.

Anfang 1885, nicht lange nach ihrer Rückkehr aus Europa, erkrankte Blavatsky schwer, was schließlich dazu führte, dass sie im März 1885 ihre Tätigkeit als Corresponding Secretary der TG niederlegen musste.[25] Kurz darauf verließ sie Indien endgültig, um die letzten Jahre ihres Lebens in Europa zu verbringen.

Letzte Jahre und Tod

Nach einem Aufenthalt in Italien ließ Blavatsky sich im August 1885 in Würzburg nieder und konzentrierte sich auf ihr Buchprojekt. Im Dezember 1885 erschien ein Bericht der in London ansässigen Society for Psychical Research (SPR), der an die Coulomb-Affäre anschloss und die Vorwürfe gegen Blavatsky bekräftigte.[25] Dieser Bericht, der als Hodgson Report bekannt werden sollte, stützte sich auf Untersuchungen und Befragungen, welche Richard Hodgson im Auftrag der SPR in Adyar vorgenommen hatte. Hodgson kam zu dem Ergebnis, dass die Meisterbriefe Fälschungen seien, die teils von Blavatsky selbst und teils von einer anderen Person angefertigt worden waren. Außerdem habe Blavatsky im Zusammenhang mit dem „Erscheinen“ der Briefe paranormale Phänomene vorgespiegelt. Und des weiteren seien die Ziele der TG in Wirklichkeit politischer Natur, und Blavatsky sei eine russische Spionin. In der Zusammenfassung bezeichnete die SPR Blavatsky als „eine der erfolgreichsten, raffiniertesten und interessantesten Betrügerinnen der Geschichte“.[26] Dieser Bericht der SPR, quasi eine wissenschaftliche Bestätigung der im Rahmen der Coulomb-Affäre erhobenen Vorwürfe, brandmarkte Blavatsky für lange Zeit als Betrügerin. (1986, also gut hundert Jahre später, publizierte die SPR eine neuerliche Untersuchung, in der sowohl die Anschuldigungen Coulombs als auch Hodgsons Schlussfolgerungen verworfen wurden.[27])

Im Juli 1886 zog Blavatsky nach Ostende (Belgien), im Mai 1887 nach London, wo sie wenige Tage nach ihrer Ankunft eine neue Loge der TG (Blavatsky Lodge) und im September des selben Jahres die Zeitschrift Lucifer gründete.[25] Im Oktober 1888 kam es innerhalb einiger Tage zur Gründung der Esoterischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, deren Leitung Blavatsky (formal neben den Meistern) übernahm, und zur Publikation ihres Hauptwerks, The Secret Doctrine – the Synthesis of Science, Religion, and Philosophy (deutsch: Die Geheimlehre).[28] In der Esoterischen Sektion erteilte Blavatsky einer kleinen Gruppe von Schülern esoterische Unterweisungen. The Secret Doctrine besteht aus zwei Bänden mit etwa 1500 Seiten. Das Werk basiert auf den „Stanzen“ des Book of Dzyan (Buch des Dzyan) eines angeblich sehr alten religiösen Textes, der von unbekannten Urhebern in einer der heutigen Wissenschaft unbekannten Sprache abgefasst worden sei[29], und besteht im Wesentlichen aus Kommentaren und Erläuterungen zu diesen Stanzen. Der erste Band mit dem Titel Cosmogenesis behandelt die Entwicklung des Kosmos, und der zweite, Anthropogenesis, befasst sich mit der Evolution der Menschheit als einer Aufeinanderfolge sogenannter Wurzelrassen.

Im Jahre 1889 publizierte Blavatsky zwei weitere Bücher: The Voice of the Silence (deutsch: Die Stimme der Stille) und The Key to Theosophy (deutsch: Der Schlüssel zur Theosophie). The Voice of the Silence ist ähnlich wie The Secret Doctrine als Übersetzung angeblich sehr alter Texte konzipiert und handelt vom Aufstieg zu höheren Ebenen des Bewusstseins, während The Key to Theosophy eine populäre Einführung in Blavatskys Theosophie gibt.[30]

1890 übernahm Blavatsky die Leitung der neu gegründeten Europäischen Sektion der TG.[31] Im Juli des selben Jahres erschien in der Zeitung The New York Sun ein Artikel des einflussreichen amerikanischen Theosophen Samuel Elliott Coues, in welchem dieser Blavatsky als Betrügerin bezeichnete.[31] Dies löste einen Rechtsstreit aus, welcher allerdings nach Blavatskys Tod ohne Ergebnis niedergelegt wurde. (Aufgrund einer weiteren, von William Quan Judge, dem Generalsekretär der Amerikanischen TG, erhobenen Anklage distanzierte sich die New York Sun jedoch 1892 von Coues‘ Artikel und druckte einen von Judge verfassten Nachruf auf Blavatsky.)

Helena Petrovna Blavatsky starb am 8. Mai 1891 im Alter von 59 Jahren in London. In der britischen Presse erschienen über 100 Todesanzeigen und zahlreiche Leserbriefe von Theosophen.[31]

Lehre

Blavatskys persönliches Siegel, das Swastika und Davidstern mit diversen anderen Symbolen vereint.

Blavatskys Theosophie war eine Reaktion auf den Siegeszug der Naturwissenschaften und der damit verbundenen Diskreditierung des christlichen Glaubens im 19. Jahrhundert.[32] Sie gab dem Menschen die Würde und Bedeutung, die ihm die jüdisch-christliche Schöpfungslehre zugeschrieben hatte und die im naturwissenschaftlichen Weltbild keine Rolle mehr spielten, zurück, indem sie ihn in eine Kosmologie einbettete, welche traditionelle Vorstellungen der westlichen Esoterik mit Elementen östlicher Religionen verband und auch Konzepte der zeitgenössischen Naturwissenschaften aufnahm.

In Isis Unveiled (1877) postulierte Blavatsky eine Ur-Religion, aus der alle heute bestehenden Religionen hervorgegangen seien. Diese sei in der Lage, die Gegensätze zwischen Spiritualität, vernunftgeleiteter Philosophie und den Naturwissenschaften aufzuheben.

Ihre eigene Lehre stellte Blavatsky hauptsächlich in The Secret Doctrine (1888) dar.[33] Darin postulierte sie die Existenz einer absoluten, unendlichen und ewigen Realität, welche Alles bedingt. Aus diesem Absoluten gehe der Kosmos wie auch die Seele des Menschen hervor (Emanation). Diese der traditionellen westlichen Esoterik (und indirekt dem Neuplatonismus) entnommene Vorstellung verband Blavatsky mit dem modernen naturwissenschaftlichen Konzept der Evolution. Demnach erfolgt die Evolution des Kosmos wie auch die jeder menschlichen Individualität in Zyklen der Emanation aus dem Absoluten und der Rückkehr in das Absolute, jedoch nicht im Sinne einer ewigen Wiederkehr des Gleichen, sondern verbunden mit einem Fortschritt von Zyklus zu Zyklus. Beim Menschen handelt es sich um die Aufeinanderfolge zahlreicher Verkörperungen der unsterblichen Individualität (Reinkarnation), welche durch das Prinzip des Karma verbunden seien.

Ein weiteres grundlegendes Konzept der Lehre Blavatskys ist die siebenfältige Konstitution des Menschen und des Kosmos. Beim Menschen unterschied sie (ähnlich wie zuvor schon der Theosoph Alfred Percy Sinnett in Esoteric Buddhism, 1883) sieben Bestandteile oder Prinzipien, von denen vier sterblich und drei unsterblich seien. Ebenso sei auch die Erde und jeder andere Himmelskörper siebenfältig konstituiert, und die Evolution eines jeden Planeten verlaufe in siebengliedrigen Zyklen. So entwickele sich die Erde zunächst absteigend von einem geistigen über ein mentales und ein astrales Stadium zum gegenwärtigen physischen und dann wieder aufsteigend über ein astrales und ein mentales zu einem geistigen Stadium. Nur das gegenwärtige vierte Stadium sei sichtbar. Innerhalb dieses physischen Stadiums der Evolution der Erde unterschied Blavatsky nun weiter sieben Stadien der Entwicklung der Menschheit, welche sie als „Wurzelrassen“ bezeichnete. Auch bei diesen handele es sich zunächst um ein Herabsteigen in die Materie, gefolgt von einer Vergeistigung. Das gegenwärtige, fünfte Stadium der Menschheit bezeichnete sie als die „arische“ Wurzelrasse. Jede Wurzelrasse bestehe wiederum aus sieben aufeinanderfolgenden „Unterrassen“, und das gegenwärtige Stadium der Menschheits-Evolution sei die fünfte oder angelsächsische Unterrasse der arischen Wurzelrasse.

Diese Darstellungen in The Secret Doctrine bilden aber, wie Nicholas Goodrick-Clarke schreibt[34], nur den Hintergrund für das zentrale Thema des Werks: die Entwicklung der menschlichen Individualität durch Reinkarnation und Karma, wobei das Schicksal in einem gegenwärtigen Leben die Folge der eigenen Taten und Gedanken in früheren Leben sei und das Ziel in einem Aufstieg zu immer höheren spirituellen Ebenen bestehe.

Die Meister

In Blavatskys eigenen Darstellungen zu ihrer Biographie und zum Ursprung ihrer Theosophie kommt den sogenannten Meistern oder Mahatmas eine große Bedeutung zu.[35] Schon in ihrer Kindheit habe sie von einem Meister Morya geträumt, und diesen habe sie 1851 im Londoner Hyde Park erstmals leibhaftig getroffen. Bei diesem Treffen habe er ihr mitgeteilt, dass sie für eine bedeutende Aufgabe ausersehen sei und sich zuvor in Tibet darauf vorbereiten müsse. 1868 habe er erneut Kontakt mit ihr aufgenommen, und sie seien gemeinsam nach Tibet gereist, wo Morya mit einem anderen Meister namens Koot Hoomi in Xigazê, in der Nachbarschaft des Sitzes des Penchen Lama, eine Schule für Adepten des tibetischen Buddhismus betrieben habe. Dort sei sie als Schülerin aufgenommen und etwa zwei Jahre lang unterwiesen worden. Danach habe sie im Nahen Osten weitere Meister dortiger Geheimlehren konsultiert. Ihre Reise nach New York 1873 sei wiederum auf Geheiß von Morya erfolgt, und auch die dortige Gründung der TG sowie die spätere Übersiedelung nach Indien sei von den Meistern veranlasst gewesen. Des weiteren traten die Meister als angebliche Autoren der umstrittenen Meister- oder Mahatma-Briefe in Erscheinung (siehe oben).

Nach einer Untersuchung von Paul Johnson[36] war namentlich der Meister Morya keine real existierende Person. Blavatskys Lehren seien ein Synkretismus bereits bestehender Lehren, wobei sie anfangs vom russischen, rosenkreuzerisch orientierten Freimaurertum beeinflusst gewesen sei und dann auf ihren Reisen im Nahen und Mittleren Osten weitere Geheimlehren kennengelernt habe. Das Konzept der Meister kann über die Hochgrad-Freimaurerei aus dem Rosenkreuzertum abgeleitet werden.[37]

Wirkung

Helena Blavatsky gilt als die wohl bedeutendste Persönlichkeit bei der Begründung der modernen westlichen Esoterik im späten 19. Jahrhundert.[38][31] In ihren Werken bündelte sie die Traditionslinien der neuzeitlichen Esoterik, verband diese mit östlichen Lehren und machte beides in neuer Form einem breiten Publikum zugänglich. Neben dieser Wirkung in Europa und Amerika war sie auch in Indien unter spirituell Suchenden zeitweilig sehr populär.

Im deutschen Sprachraum wurden Blavatskys Lehren zunächst vor allem durch Rudolf Steiner verbreitet, der von 1902 bis 1913 die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft leitete und dabei anfangs stark auf Blavatskys Lehren Bezug nahm (siehe etwa Aus der Akasha-Chronik). Parallel dazu entwickelte Steiner jedoch eine eigene, überwiegend an abendländischen Quellen orientierte Variante der Theosophie, die er später in Anthroposophie umbenannte.

Im Bereich der Kunst beeinflusste Blavatsky die Werke von Hermann Hesse, William Butler Yeats, James Joyce, George William Russel, Jack London, D.H. Lawrence, T.S. Eliot, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Paul Klee, Paul Gauguin, Gustav Mahler, Jean Sibelius, Alexander Skrjabin und andere.[39].

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurde die Gedankenwelt Blavatskys von den Anhängern der New-Age-Bewegung wiederentdeckt.

Kritik

Blavatsky wurde schon zu Lebzeiten wiederholt des Betrugs bezichtigt, insbesondere im Zusammenhang mit den Meister-Briefen (siehe oben unter „Leben“ sowie Coulomb-Affäre und Hodgson Report).

Noch schwerwiegender war jedoch die Anschuldigung, die 1895, also wenige Jahre nach ihrem Tod, der Spiritist William Emmette Coleman erhob: Coleman warf Blavatsky vor, dass ihre Hauptwerke Isis Unveiled, The Secret Doctrine und The Voice of the Silence zu großen Teilen aus Plagiaten bestünden.[40] Allein in Isis Unveiled habe er etwa 2000 plagiierte Passagen identifizieren können, und diese seien etwa 100 zeitgenössischen Werken über Okkultismus, Mythologie und exotische Religionen entnommen worden. Hierzu bemerkt Nicholas Goodrick-Clarke in seiner Blavatsky-Anthologie, dass Blavatskys mangelnde Vertrautheit mit den Gepflogenheiten in der Wissenschaft nicht zur Debatte steht.[41] Die eigentliche Bedeutung von Colemans Untersuchung, so Goodrick-Clarke weiter, liege darin, die Quellen in der zeitgenössischen Literatur aufzulisten, deren Blavatsky sich bedient hatte. Bei Isis Unveiled handelte es sich demnach vor allem um Werke von Samuel Fales Dunlap, Joseph Ennemoser, J.S. Forsyth, Eusèbe Baconnière-Salverte und Henri Roger Gougenet de Mousseaux, aber auch zahlreicher anderer Autoren, die im 19. Jahrhundert Einschlägiges publiziert hatten.[42]

Schriften

Literatur

  • Geoffrey A. Barborka: H. P. Blavatsky, Tibet and Tulku. Theosophical Publishing House, Adyar 1966.
  • E. P. Blavatskaja: Erzählungen und Reiseberichte. Ein Lesebuch. Übersetzt und herausgegeben von Björn Seidel-Dreffke. F. K. Göpfert, Fichtenwalde 1999, ISBN 3-932254-10-9 (formal falsche ISBN), (FrauenLiteraturGeschichte 10).
  • Daniel Caldwell: The Esoteric World of Madame Blavatsky. Insights into the Life of a modern Sphinx. Quest Books – Theosophical Publishung House, Wheaton IL 2000, ISBN 0-8356-0794-1.
  • Sylvia Cranston: HPB. The Extraordinary Life and Influence of Helena Blavatsky, Founder of the Modern Theosophical Movement. Tarcher/Putnam, New York NY 1993, ISBN 0-87477-688-0.
  • Jean Overton Fuller: Blavatsky and Her Teachers. An Investigative Biography. East-West Publications, London u. a. London 1988, ISBN 0-85692-171-8.
  • Nicholas Goodrick-Clarke (Hrsg.): Helena Blavatsky. North Atlantic Books, Berkeley CA 2004, ISBN 1-55643-457-X (Anthologie mit Einleitungen des Herausgebers).
  • K. Paul Johnson: The Masters Revealed. Madame Blavatsky and the Myth of the Great White Lodge. State University of New York Press, Albany NY 1994, ISBN 0-7914-2063-9 (SUNY Series in Western Esoteric Traditions).
  • Marion Meade: Madame Blavatsky. The Woman Behind the Myth. Putnam’s, New York NY 1980, ISBN 0-399-12376-8.
  • Howard Murphet: When Daylight Comes. A Biography of Helena Petrovna Blavatsky. Theosophical Publishing House, Wheaton IL 1975.
  • Leslie Price: Madame Blavatsky Unveiled? A New Discussion of the Most Famous Investigation of the Society for Psychical Research. Theosophical History Centre, London 1986, ISBN 0-948753-00-5.
  • Gottfried de Purucker: H. P. Blavatsky: The Mystery. Point Loma Publications, San Diego CA 1974.
  • Peter Washington: Madame Blavatsky’s Baboon. Theosophy and the Emergence of the Western Guru. Seeker & Warburg, London 1993, ISBN 0-436-56418-1.
  • Gerhard Wehr: Helena Petrovna Blavatsky. Eine moderne Sphinx – Biographie. Pforte, Dornach 2005, ISBN 3-85636-160-X.

Weblinks

 Commons: Елена Петровна Блаватская – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Deutschsprachige Weblinks
Englischsprachige Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerhard Wehr: Helena Petrovna Blavatsky, eine moderne Sphinx – Biographie, Pforte, Dornach 2005, S. 19f
  2. Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 2f
  3. Goodrick-Clarke, S. 3
  4. Goodrick-Clarke, S. 4
  5. a b c James A. Santucci: Blavatsky, Helena Petrovna, in: Wouter J. Hanegraaff (Hg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, Brill, Leiden 2006, S. 177-185, hier S. 177
  6. a b c d Santucci, S. 178
  7. Goodrick-Clarke, S. 4f
  8. a b c Goodrick-Clarke, S. 5
  9. Wehr, S. 37
  10. Olcott, zitiert bei Wehr, S. 42
  11. Santucci, S. 179f
  12. Wouter J. Hanegraaff: Occult/Occultism, in: Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, S. 884-889, hier S. 887
  13. Goodrick-Clarke, S. 7f; Wehr, S. 49-52
  14. zitiert bei Wehr, S. 51
  15. „to collect and diffuse a knowledge of the laws which govern the universe“, zitiert bei Goodrick-Clarke, S. 8
  16. Goodrick-Clarke, S. 8-10; Santucci, S. 180
  17. Kocku von Stuckrad: Was ist Esoterik? Beck, München 2004, S. 204
  18. Goodrick-Clarke, S. 11
  19. a b c d Santucci, S. 181
  20. Goodrick-Clarke, S. 11f
  21. a b Goodrick-Clarke, S. 12
  22. a b Goodrick-Clarke, S. 13
  23. Goodrick-Clarke, S. 10
  24. Santucci, S. 181f
  25. a b c Santucci, S. 182
  26. „[…] she has achieved a title to permanent remembrance as one of the most accomplished, ingenious, and interesting impostors in history“, zitiert nach Santucci, S. 182
  27. Goodrick-Clarke, S. 14; Vernon Harrison: H. P. Blavatsky und die SPR, 1986
  28. Santucci, S. 182f
  29. Dzyan ist der tibetanische Name des Daoisten Ly-tzyn, der im vierten Jahrhundert lebte und ein Buch der geheimen Korrespondenzen verfasste (Goodrick-Clarke, S. 75)
  30. Santucci, S. 183
  31. a b c d Santucci, S. 184
  32. Goodrick-Clarke, S. 1f
  33. Zusammenfassungen bei Goodrick-Clarke, S. 14-17, und Santucci, S. 183
  34. S. 16
  35. Goodrick-Clarke, S. 3-6
  36. K. Paul Johnson: The Masters Revealed: Madame Blavatsky and the Myth of the Great White Lodge, State University of New York Press, Albany 1994, referiert bei Goodrick-Clarke, S. 5f
  37. Goodrick-Clarke, S. 6
  38. Stuckrad, S. 197
  39. Sylvia Cranston, Leben und Werk der Helena Blavatsky, ausführlich belegt auf S. 543 – 582
  40. Goodrick-Clarke, S. 8f; Santucci, S. 183f
  41. Goodrick-Clarke, S. 52: „an argument about Blavatsky’s scholarship is beside the point“.
  42. Goodrick-Clarke, S. 50-52

 

Alice A. Bailey – Wiki

Alice Bailey

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Bailey

Alice Bailey

Alice Bailey (geborene Alice Ann LaTrobe Bateman, abgekürzt häufig A.A.B. bzw. AAB genannt; * 16. Juni 1880 in Manchester; † 15. Dezember 1949 in New York City) war eine englisch-US-amerikanische Theosophin, Esoterikerin und Autorin. Sie war die Gründerin der Arkanschule sowie einer Reihe weiterer damit in Zusammenhang stehender Organisationen.

Leben

Kindheit, Berufe, Ehe und Kinder

Bailey wurde am 16. Juni 1880 in Manchester als ältere von zwei Töchtern von Frederic Foster LaTrobe Bateman und Alice Hollinshead (1857–1886) geboren. Der Vater war Bauingenieur, die Familie reich. Die Mutter starb 1886 und der Vater 1889, beide an Tuberkulose, und Bailey kam in die Obhut ihres Großvaters John Frederic LaTrobe Bateman und dessen Frau. Nach deren Tod um 1893 übernahmen ihre Tante Dora LaTrobe Bateman und ihr Mann Brian Barttelot die Vormundschaft. In der Kindheit unternahm Bailey mit den Eltern zahlreiche Reisen nach Kanada, in die Schweiz und nach Frankreich und lebte auf verschiedenen Landsitzen in Schottland und England.

Sie durchlebte eine strenge, aber behütete Kindheit; von 1892 bis 1898 erhielt sie eine klassische Erziehung durch eigens angestellte Erzieher und Hauslehrer und war anschließend bis 1900 in einem Mädchenpensionat in London. Danach wirkte sie etwa ein Jahr als Lehrerin und als Missionarin bei der British Army. Sie hielt in Irland und Indien Bibelvorlesungen und Andachten vor Soldaten ab, betätigte sich als Krankentrösterin und Sterbebegleiterin und organisierte Soldatenheime. Ab 1906 erlitt sie eine Reihe von Schwächeanfällen, musste mehrmals zur Erholung nach Großbritannien zurückkehren und gab 1907 diese Tätigkeit deswegen auf.

Bei ihrer Arbeit in Indien lernte sie um 1905/6 Walter Evans kennen, der als Soldat bei der Kavallerie diente. Als kurz darauf seine Dienstzeit bei der Armee endete, ging Evans in die USA und schloss sich der Episcopal Church an, um Priester zu werden. 1908 heirateten Bailey und Evans in Castramont (in Dumfries and Galloway). Daraufhin übersiedelten sie in die USA nach Cincinnati, wo Evans am Lane Theological Seminary sein Theologiestudium fortsetzte und nach seiner Ordination um 1910 in San Joaquin in Kalifornien wirkte. Es folgten mehrere Umzüge in immer schwieriger werdenden finanziellen Verhältnissen und die Geburt dreier Töchter. Die Ehe war zunehmend von Entfremdung geprägt, ab 1915 lebten sie getrennt und 1919 wurde die Ehe geschieden. Um überleben zu können, arbeitete Bailey in dieser Zeit in einer Konservenfabrik.

1919 lernte sie in der Theosophischen Gesellschaft Foster Bailey (1888–1977) kennen und heiratete ihn Ende 1920 in New York City. Foster war ursprünglich Rechtsanwalt gewesen, nach seinem Dienst in der U.S.Army während des Ersten Weltkrieges kehrte er nicht mehr in seinen Beruf zurück, sondern widmete sich ganz der Theosophie und Freimaurerei. Diese Ehe blieb kinderlos.

Theosophie

Nach der Trennung von ihrem ersten Mann kam sie 1915 mit der Theosophie in Berührung und trat im selben Jahr einer Loge der Theosophischen Gesellschaft Adyar (Adyar-TG) in Pacific Grove bei. Hier begann sie sich mit den Lehren der Theosophie zu beschäftigen, studierte Helena Blavatskys Werk Die Geheimlehre und Annie Besants Studie über das Bewusstsein. Nach kurzer Zeit hielt sie selbst theosophische Vorträge und zog Ende 1917 nach Hollywood, da sich damals im naheliegenden Krotona (bei Ojai) das Hauptquartier der Amerikanischen Sektion der Adyar-TG befand, um näheren Kontakt zur Zentrale halten zu können. Dort übernahm sie die Leitung des Kasinos, wirkte als Köchin und in der Gästebetreuung. 1918 wurde sie in die Esoterische Sektion der Adyar-TG aufgenommen und Ende 1919 Chefredakteurin der theosophischen Zeitschrift The Messenger (Der Bote). Zur gleichen Zeit (Ende 1919) wurde Foster Bailey Präsident der Adyar-TG für Kalifornien.[1][2]

In der Esoterischen Sektion lernte sie die damals dort herrschenden Dogmen, Macht- und Konkurrenzkämpfe und Auseinandersetzungen kennen. Wer zu jener Zeit nicht Mitglied in der Esoterischen Sektion war, konnte keine leitende Position in einer theosophischen Loge innehaben. Dadurch beherrschte die Esoterische Sektion, mit Annie Besant an der Spitze, in nahezu autokratischer Weise das Geschehen in den nur auf dem Papier weitgehend autonomen Logen. 1920 kam es zum Eklat zwischen den gemäßigten Kräften, die für mehr Autonomie eintraten, und den Mitgliedern der Esoterischen Sektion. Letztere entschieden diesen Machtkampf für sich, woraufhin eine Reihe von Mitgliedern die TG verließen. In Folge wurden noch 1920 Bailey und ihr Mann, die auf Seiten der gemäßigten gestanden hatten, ihren leitenden Posten enthoben, ebenso verlor sie ihre Beschäftigung im theosophischen Kasino. Beide blieben jedoch weiterhin Mitglieder der Adyar-TG.

Arkanschule und Lucis Trust

Ohne jeglichen Einfluss in der Adyar-TG, ohne Arbeit und damit ohne Einkommen nahm die Bailey-Familie ein Angebot von Ernest S. Suffern (1880-1975) an, der ihnen ein Haus in Ridgefield Park an der Ostküste anbot und Foster eine Sekretärsstelle bei der Theosophical Association of New York besorgte.[3] Im nahe gelegenen New York rief Bailey 1921 eine Studiengruppe zur Vertiefung in Die Geheimlehre ins Leben, manchmal auch als Theosophical Association bezeichnet.[4] Diese hatte einen guten Start und fand schnell eine größere Zahl von Zuhörern.

1922 gründete sie zusammen mit ihrem Mann die Lucifer publishing company (Luzifer Verlagsgesellschaft), in dieser veröffentlichte sie ihre Bücher (siehe unten). Nachdem es wegen der Namensgebung Lucifer, in der christlichen Tradition mit Satan gleichgesetzt, zu Problemen und Missverständnissen gekommen war, änderte sie 1924 den Namen auf Lucis publishing company (oder Lucis Trust publishing company). Später entstand daraus die Dachorganisation Lucis Trust für eine ganze Reihe von ihr ins Leben gerufener Gesellschaften. Lucis ist nur ein anderer Name für Luzifer, in der theosophischen Tradition mit Lichtbringer übersetzt, also positiv gemeint und gab weniger Anlass zur Kritik. [2]

Richard Prater, Schüler von Helena Blavatsky und Freund von William Quan Judge, besuchte 1921 Baileys Studiengruppe und war davon so angetan, dass er ihr alle Schüler einer von ihm geleiteten Geheimlehre-Gruppe zuführte. Prater übergab Bailey auch die vollständigen Lehrunterlagen der Esoterischen Sektion, welche er von Judge erhalten hatte. In diesen fand sie eine Notiz Blavatskys, die Esoterische Sektion in Arkanschule (The Arcane School) umzubenennen. Bailey entschloss sich daraufhin im April 1923 ihrer Studiengruppe diesen Namen zu geben. Später wurde auch die Arkanschule in den Lucis Trust integriert, wo sie bis heute besteht.[5]

Als Bailey im Sommer 1922 für mehrere Monate abwesend war, begann sie, für den Weiterbestand der Studiengruppe wöchentliche Lehrbriefe über die Geheimlehre an die Mitglieder zu versenden, um den Studienbetrieb auch ohne ihre Anwesenheit aufrechterhalten zu können. Diese erwiesen sich als sehr erfolgreich, daraufhin verschickte sie diese auch an den wachsenden Kreis jener Personen, welche sich aufgrund ihrer seit 1922 erschienenen Bücher ratsuchend an sie wandten. Vor allem aber integrierte sie das Material der Esoterischen Sektion, das sie ja von Richard Prater erhalten hatte, in diese Fernlehrbriefe und baute damit eine vollständige Fernlehr-Initiationsschule auf – die Arkanschule. Die Nachfrage nach den Lehrbriefen stieg sprunghaft an, eine Reihe jener Theosophen, die 1920 nach den oben erwähnten Streitigkeiten die TG verlassen hatten, wurden nun Mitglieder der Arkanschule. Es bildeten sich auch an anderen Orten Schülergruppen, die anhand ihrer Lehrbriefe studierten, die Arkanschule wuchs, und der Briefversand wurde nach Anfangsschwierigkeiten professionell organisiert. Später löste sie die Schülergruppen auf, und die Lehrbriefe wurden nur mehr an Einzelpersonen verschickt, die untereinander keinen Kontakt mehr hatten. Im April 1922 riefen Bailey und ihr Mann auch die Zeitschrift The Beacon (Die Leuchte/Der Leitstern) ins Leben, die bis heute erscheint.

Noch in den 1920er-Jahren waren auch Personen in Europa ihrer Arkanschule beigetreten und erhielten ihre Lehrbriefe. Auf Anregung von Olga Fröbe gründete sie daraufhin im Frühjahr 1931 in Ascona die erste Außenstelle der Arkanschule. Bailey und ihr Mann blieben bis 1933 in der Schweiz, hielten eine Reihe von Vorträgen und Werbeveranstaltungen für die Arkanschule ab und organisierten den Lehrbriefversand. Später wurde diese Außenstelle nach Genf verlegt, es folgten Arkanschulen in London und Buenos Aires.

1932 rief Bailey, vorgeblich auf Anweisung von Djwal Khul einem Meister der Weisheit, die Organisation World Goodwill (Guter-Wille-Bewegung oder Gruppe der Weltdiener) ins Leben. 1937 folgten die Triangles (Dreiecke), wobei alle Organisationen unter dem Dach des Lucis Trusts arbeiteten.[6][2]

Literarisches Werk

Baileys eigenen Angaben zufolge erschien ihr bereits am 30. Juni 1895, sie war 15 Jahre alt, erstmals ein Meister der Weisheit mit Namen Kuthumi. Dieser soll sie an einen anderen „Meister“ mit Namen Djwal Khul, auch Der Tibeter genannt „vermittelt“ haben. Bailey behauptete, im November 1919 erstmals die Stimme dieses „Tibeters“ zu hören. Nach anfänglicher Ablehnung erfüllte sie dann angeblich seinen Wunsch, einige Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, wobei die Worte des „Meisters“, wie Bailey betonte, nichts mit automatischem Schreiben oder medialen Durchgaben zu tun hätten. Sie meinte vielmehr, den „Meister“ zu hören und die Gedanken, die in ihr Gehirn hineingesenkt wurden niederzuschreiben. Jedenfalls begann sie ab Ende 1919 eine Reihe von teils sehr umfangreichen Büchern zu schreiben. Bailey behauptete, dass von ihren insgesamt 25 Werken, 18 von Djwal Khul stammten, zwei schrieb sie mit seiner Hilfe nieder und fünf sollen von ihr selbst verfasst sein.[6][2]

Als 1920 Bahman Pestonji Wadia, der zu dieser Zeit zu Besuch in Krotona weilte, das Manuskript des ersten Kapitels des so entstandenen ersten Werkes Initiation, menschliche und solare Einweihung las, meinte er, dies müsste sofort veröffentlicht werden. Von Februar bis November 1921 erschienen in der Zeitschrift The Theosophist insgesamt fünf Artikel über das vom „Meister“ durchgegebene, dann wurde die weitere Veröffentlichung eingestellt, da Bailey ab 1922 als Konkurrenz zur Adyar-TG angesehen wurde. Wie bereits erwähnt erschienen ab 1922 ihre sämtlichen Werke in der eigenen Lucifer Publishing Company bzw. ab 1924 Lucis Publishing Company.

Tenor ihrer Schriften ist das Vorhandensein einer Gruppe von höheren Wesen auf dieser Erde, eben der erwähnten Meister der Weisheit. An der Spitze dieser Gruppe, welche Bailey als die geistige Hierarchie unseres Planeten bezeichnet, steht angeblich Christus, der als überkonfessioneller Weltlehrer verstanden wird und im Einklang mit Buddha das Liebe-Weisheit Prinzip verkörpert. Ihr Werk ist stark von den Schriften Helena Blavatskys und anderer Theosophen beeinflusst, beispielsweise in ihrem Glauben an Reinkarnation und geistige Evolution, weist aber auch einige Differenzen dazu auf. Baileys Werke handeln von esoterischer Philosophie und Psychologie, okkulten Lehren, Astrologie, Weiße Magie, Bewusstseinserweiterung und Meditation. Von Bailey stammt auch das Mantra der „großen Invokation“ [7], [8] das von vielen Esoterikern weltweit benutzt wird. Sie gilt als Vorläuferin der New Age-Bewegung.[2]

Antisemitismus?

Kontroversen haben antisemitische Thesen in ihrem Werk ausgelöst. So stellt sie in Esoterisches Heilen über die Geschichte der Juden, wie sie im Alten Testament erzählt wird, fest, dass diese auf „derselben Ebene wie das Verhalten der Deutschen in der Gegenwart“ (S. 289) liege. Da dieser Text während des Zweiten Weltkrieges verfasst wurde, wird hier folglich eine Gleichsetzung alttestamentlicher jüdischer Geschichte, die von aggressiven Handlungen erfüllt sei, und des Holocaust unternommen. Die Verfolgung der Juden sei Ergebnis eines negativen Karmas, das diese durch die „Frevelhaftigkeit ihres Handelns“ (ebd., S. 290) angehäuft habe, sodass alles, was ihnen während der Naziverfolgung widerfuhr, „symbolisch und tatsächlich den Preis für alles, was sie in der Vergangenheit getan haben“ (ebd.) sei. Als Beispiel für diese Frevelhaftigkeit wird u.a. die „deutliche Grundtendenz des hebräischen Volkes, zu täuschen und zu übervorteilen“ (ebd., S. 293) genannt. Nur vollständige Assimilation könne das jüdische Problem lösen: „Das Problem wird gelöst werden, wenn der Jude bereit ist, sich der Zivilisation, der kulturellen Tradition und dem Lebensstandard eben jener Nation anzupassen, in die Geburt und Erziehung ihn hineinstellten“ (ebd., S. 293). Das jüdische Problem kann nach Bailey also nur gelöst werden, indem die Juden aufhören, Juden zu sein. Bailey verurteilt aber ebenso die Gräueltaten der Verfolger: „Was ich gesagt habe, mildert in keiner Weise die Schuld derer, welche die Juden so schwer mißhandelt haben“ (ebd., S. 292).

Werke

Von Alice Bailey:

Von Alice Bailey und Djwhal Khul:

Literatur

  • Foster Bailey: Vom Wandel esoterischer Werte. Lucis Trust, Genf 1990, ISBN 2-88289-071-0.
  • Harold Balyoz: Three remarkable women. Altai, Flagstaff 1986, ISBN 0-9609710-1-7.
  • Otto-Albrecht Isbert: Yoga und der Weg des Westens, Der geistige Pfad des modernen Menschen. Günther, Stuttgart 1955[9]
  • Annrose Künzi (Hrsg.): Meditation ist Leben, Gott meditiert, und solange Gott meditiert, bleibt das Universum in Manifestation, Beiträge zum Thema aus den Lehren von Sathya Sai Baba und Alice A. Bailey. Rosenkreis, Oberdorf 2001, ISBN 3-9522528-0-8.
  • Annrose Künzi (Hrsg.): Shamballa – Hierarchie – Menschheit, Das grosse Dreieck, Aus den Büchern von Alice A. Bailey und Djwhal Khul. Rosenkreis, Oberdorf 2001, ISBN 3-9521968-7-8.
  • Annrose Künzi (Hrsg.): Sathia Say Baba und Jesus, Eine vergleichende Gegenüberstellung von Aussagen des Avatars Sathya Say Baba und des tibetanischen Meisters Djwhal Kul. Rosenkreis, Oberdorf 2004, ISBN 3-9522528-2-4.
  • Sergej O. Prokofieff: Der Osten im Lichte des Westens, Teil 2, Die Lehre von Alice Bailey aus der Sicht der christlichen Esoterik. Verlag am Goetheanum, Dornach 1997, ISBN 3-7235-0992-4.
  • A comparison between H.P.Blavatsky & Alice Baily. The Pseudo-Occultism of Alice Baily by Alice Leighton Cleather and Basil Crump. 1929

Weblinks

Einzelnachweise

  1. In der Literatur und im Web ist davon die Rede, dass Foster Bailey Generalsekretär der TG in den USA geworden war. Alice Bailey selbst schreibt, er wurde Nationaler Sekretär. Als Generalsekretär nannte Bailey einen Mr. A. P. Warrington.
  2. a b c d e Watchman Fellowship Profile – Alice Bailey: http://www.watchman.org/profile/bailypro.htm
  3. Um was für eine Gesellschaft es sich bei dieser Theosophical Association of New York handelt ist unklar. Bailey spricht in ihrer Autobiografie von einer „inoffiziellen“ und „unabhängigen“ Organisation, das würde heißen, dass es sich um keine Loge der Adyar-TG oder einer anderen TG gehandelt hat. Insofern könnte es eine kleinere theosophische Studiengruppe gewesen sein, in der gemeinsam theosophische Literatur gelesen, diskutiert und manchmal auch publiziert wurde. Solche waren in größerer Zahl seit etwa 1877 (dem Erscheinen von Blavatskys Werk Isis entschleiert) entstanden, arbeiteten meist in kleinen autonomen Zirkeln mit geringem Öffentlichkeitsbezug, häufig aber auch mit nur kurzer Lebensdauer.
  4. Diese Studiengruppe wird in der Literatur und im Web oft ebenso als Theosophical Association (Theosophische Vereinigung) bezeichnet. Bailey selbst verwendet diesen Namen jedoch nicht, sie spricht von einer „Secret Doctrine class“ („Unterrichtsklasse über die Geheimlehre“) und der „group“ („Studiengruppe“).
  5. The British Racists Behind America’s School: http://www.hackcanada.com/blackcrawl/patriot/outcome_based_education.txt
  6. a b Lucis (Lucifer) Trust, Alice Bailey, World Goodwill and the False Light of the World: http://www.conspiracyarchive.com/NewAge/Lucis_Trust.htm
  7. Text der Großen Invokation auf der Seite von Relinfo s. vorletzter Abschnitt
  8. englischer Text
  9. Isbert war eigentlich Völkerrechtler, ein Volkstumspropagandist aus dem Umfeld des Max Hildebert Boehm, der sich die Erfassung „Deutschstämmiger“ in Ungarn zur Aufgabe gemacht hatte, zur Abgrenzung von Ungarn und Juden. Nach dem für ihn verlorenen Krieg verlegt er sich erfolgreich auf die Eso-Yoga-Schiene

Ashram

Steh auf und gehe in den Ashram

die Morgenarbeit ist mehr als Texte editieren – ist zum Einstimmen!

Du wirst erfahren, was zu tun ist!

Wo ist mein Ashram?

Du passt in keine Yoga-Ashrame mehr!

Nach Absage Goswami Kriyanandas, er sagte ich bin schon in vielen „Thought-schools“ gewesen …

D.K.IST DEIN ASHRAM!

sei regelmäßig da … um „3:22″ (im Moment die Zeit, between 3:00 und 4:00)

Es ist ein manasischer Weg – ein Denkweg – ein Bewußtseinsweg..

>> diese Ashrame werden sichtbar werden!

> praktische Arbeit: Wiederkunftsvortrag in theologischer Sprache!

DK online

Theosophische Recherchequelle für Institut an der Uni

AAB, HPB und Roerich online im Intranet bereitstellen.

Countdown hat begonnen: habe die Presseaussendung von Share über den Stern an der Uni ausgehängt.