Im Verlauf der Entfaltung geht die Entwicklung des Herzens der Entwicklung des Kopfes voraus. Die Emotionalnatur und die Sinne entfalten sich früher als das Denkvermögen; das wird uns ganz klar, wenn wir die Menschheit als ein Ganzes betrachten. Das Herzzentrum öffnet sich früher als das Kopfzentrum. Bevor Macht ohne Gefahr ausgeübt werden kann, muß erst die Kraft der Liebe entwickelt sein. Darum muß das Licht der Liebe bereits entflammt sein, bevor das Licht des Lebens bewußt benutzt werden kann.
Wenn das Lotoszentrum im Herzen sich öffnet und die Liebe Gottes enthüllt, findet durch Meditation eine gleichzeitige Entfaltung des Kopfzentrums statt. Die zwölfblättrige Lotosblüte im Kopf (die höhere Entsprechung des Herzzentrums, der Mittler zwischen der zwölfblättrigen Lotosblüte des Ego auf seiner eigenen Ebene und dem Kopfzentrum) erwacht. Die Zirbeldrüse wird allmählich aus einem Zustand der Atrophie zur vollen Wirksamkeit gebracht, und der Schwerpunkt des Bewußtseins wird aus der Emotionalnatur in das Bewußtsein des erleuchteten Denkens verlagert. Das ist der Übergang des Mystikers zum Weg des Okkultisten, wobei dem Mystiker das bisher erworbene Wissen und Gewahrsein
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nicht verloren geht; er fügt dann das intellektuelle Wissen und die bewußten Fähigkeiten des geübten Okkultisten und Yogis hinzu.
Von diesem Punkt der Macht im Kopf aus lenkt der Yogi alle seine Angelegenheiten und Unternehmungen, indem er auf alle Geschehnisse und Probleme das „erweckte innere Licht“ richtet. Dabei läßt er sich von der Liebe, von der Einsicht und der Weisheit leiten, die er besitzt, da er seine Liebesnatur umgewandelt, sein Herzzentrum erweckt und die Feuer des Sonnengeflechts ins Herz geleitet hat.
Der Yoga-Pfad, 23-294
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