Immer unter Spannung stehen

Immer unter Spannung stehen – Auszug aus Jüngerschaft Buch I S. 05-413

März 1938

MEIN BRUDER!

Während der nächsten sechs Monate müssen wir entscheiden, ob du dieser geplanten Arbeit gewachsen bist oder nicht. Wenn es sich am Ende dieser nächsten Studienperiode herausstellt, daß du nicht an der Arbeit teilnehmen solltest, dann wird es erforderlich sein, daß du – um der Gruppeneinheit willen und um des beabsichtigten Unternehmens des Heilens willen – ausscheidest. Karmisch stehst du in Beziehung zu mir und dieser Gruppe von Aspiranten; was Empfindungsfähigkeit betrifft, so bist du dieser Aufgabe gewachsen; du strebst danach, sie zu unternehmen. Worin liegt denn die Schwierigkeit? Was verursacht diese Überanstrengung des Drüsensystems?

Die Antwort liegt in drei Umständen, die ich dir offen vorlegen will, wobei ich es dir überlasse, meine Vorschläge anzunehmen oder zu verwerfen, je nachdem, wie es dir am besten erscheinen mag.

Erstens (und vor allem anderen) eine k intensive /k Haltung zum Leben. Du lebst stets in einem Spannungspunkt. Solche Spannungspunkte treten bei allen Jüngern auf, und so sollte es auch sein, denn gerade in solchen kritischen Augenblicken erscheint wirkliches Wachstum und werden wahre Entscheidungen getroffen, aber du bist stets an einem solchen Punkt und weisst niemals, wann du dich entspannen solltest. Selbst wenn du dich amüsierst, bist du in Spannung; wenn du ruhst, ist die Spannung noch größer. Du könntest Entspannung erlernen, wenn du möchtest, aber du bemühst dich nicht wirklich, dies zu tun, und es ist fraglich, ob du Entspannung üben würdest, selbst wenn du es könntest.

Zweitens bist du unfähig, das Unwesentliche aus deinem täglichen Leben zu entfernen. Du tust so vieles, was du nicht zu tun brauchst und bist dir nicht klar darüber, daß es wirklich nicht darauf ankommt, ob diese Dinge getan werden oder nicht. Wenn

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du je als Jünger funktionieren solltest, ist der Sinn für geistige Werte eines deiner hauptsächlichen Erfordernisse. Wenn du diese Lektion lernen kannst, wirst du dich mit den Dingen befassen, die von bleibendem Wert sind und nicht mit vergänglichem Tun, das dir keine wirklichen Ergebnisse einbringt.

Drittens nimmst du viele Dinge im Leben viel zu ernst, wie z.B. die Arbeit dieser Gruppe. Du denkst zu intensiv über diese Dinge nach und du nimmst die Gruppenarbeit, dein tägliches Leben und deine häuslichen Probleme sowie alle deine Lebensinteressen, zu wichtig. Jeder Jünger muß eines Tages zweierlei lernen, mein Bruder. Eins ist, die Fähigkeit zu entwickeln „leicht im Sattel zu sitzen“ (um eine alte sprichwörtliche Vorschrift zu gebrauchen) und das andere ist ein Sinn für Humor, eine wirkliche (nicht erzwungene) Fähigkeit, k über sich selbst und mit der Welt /k zu lachen. Dies ist eine der Entschädigungen, die denen zuteil wird, die im Licht auf der Mentalebene arbeiten. Wenn du dies tun kannst wird die beständige Spannung, unter der du arbeitest, sich lösen.

Wie kommt diese Spannung in deinem Fall zustande, mein Bruder? Sie beruht auf einer inneren angeborenen Fähigkeit, die Stufen der Seele zu berühren und dadurch für den Einfluß von Seelenkraft offen zu sein. Dies versieht die verschiedenen Zentren mit Leben und Energie, und diese ihrerseits spornen das Drüsensystem zur Tätigkeit an. Wenn jedoch nicht genügend Gebrauch von geistiger Energie gemacht wird, dann wird sie in den Zentren „deponiert“ (wenn ich einen so unzulänglichen Ausdruck gebrauchen darf) und dies ruft schlechte Resultate hervor. Dein Kehlzentrum und das Sonnengeflechtszentrum empfangen am meisten von dieser Energie und daher deine Übermäßige Tätigkeit auf der physischen Ebene und die nervöse Energie, und daher kommt, verursacht durch das Kehlzentrum, auch deine Neigung zu vielem Reden und zu lebhaften Gesprächen. Das Herzzentrum und das Zentrum zwischen den Augenbrauen sollten mehr von dieser Energie erhalten und dies würde dazu führen, das System der Drüsen mit innerer Sekretion ins Gleichgewicht zu bringen und sich in größerer Freiheit und k spontanem /k Dienst auszuwirken. Welche Aspekte deines Lebens können also Empfänger geistiger Kraft sein? Wo kannst du geistig dienen und auf diese Weise diese deponierte geistige Energie befreien? Wir haben definitiv mit Energie zu tun, wenn wir leben und dienen, und diese geistige Energie k muß /k dazu gebraucht werden, die Gruppe zu fördern und den Gruppenbedingungen gerecht zu werden. Ich beziehe mich hier nicht auf diese Gruppe, sondern auf jede Art richtiger Gruppentätigkeit, der du

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begegnen magst. Wie kannst du diese Kraft im Dienst gebrauchen, damit sie nicht aufgestaut, sondern einem geistigen Zweck dienstbar gemacht wird? Das ist dein Problem und eine Hauptfrage bei vielen Jüngern.

Du hast häufig die Bemerkung gemacht, daß du so wenig weisst, daß du zu schnell vorwärtsgetrieben worden bist, und daß du keinen Hintergrund von erworbenem Wissen besitzest. Aber du hast seit vielen Jahren mit meiner Arbeit Fühlung gehabt und – obgleich du gegenteiliger Ansicht sein magst – du hast die mentale Fähigkeit und die freie Zeit (wenn du dein tägliches Leben richtig organisieren würdest) um zu lesen und zu studieren. Aber dies fällt dir sehr schwer, nicht wahr? Aber, Bruder seit langer Zeit, der Weg des Jüngers ist niemals leicht. Die Spannung unter der du leidest, hätte zum großen Teil vermieden werden können durch ein ruhigeres Leben, in dem du liest, ruhig denkst, deine Tätigkeit organisierst, schweigst und dich weigerst, unwesentliche Dinge zu übernehmen (jene Dinge, die andere Leute ebenso gut tun können wie du) oder fähig bist, Dinge ungetan zu lassen.

Ich habe dir so frei und offen geschrieben, weil ich dich aus deinem augenblicklichen Zustand befreien und dir zu vollerem Dienst, besserer Gesundheit und echterem Glück verhelfen möchte. k Ich bemühe mich, dich als ein ruhiges Zentrum geistiger Kraft zu sehen /k. Ich möchte, daß du dein Leben auf solche Art und Weise neu ordnest, daß du jene gemächliche Ruhe zeigen kannst, durch die Kraft von dir zu denen fließen kann, die du liebst und mit denen du in Berührung kommst. Kannst du dir genügend Musse nehmen, um wenigstens den Zweck dieser Auseinandersetzungen zu begreifen? Kannst du dich bemühen, sie auszunützen?

Eine andere Quelle deiner Schwierigkeiten liegt in deinem Astralkörper auf dem sechsten Strahl, (dem Strahl idealistischer, fanatischer Hingabe) denn er bewirkt einen eigentlichen Mangel an Gleichgewicht, ungebührliche Aufmerksamkeit für die Einzelheiten eines Prozesses und Hingabe an jene Einzelheiten wegen der emotionellen Befriedigung, die von dieser Aufmerksamkeit herkommt. Dies verursacht einen Mangel an Verständnis für größere Fragen und eine Unfähigkeit, ruhig auf dem Weg weiterzuschreiten. Deine mentale Natur auf dem ersten Strahl kann dies ausgleichen, wenn du ihr die Möglichkeit geben willst und mehr im Denkaspekt und weniger in deinen Gefühlen und emotionellen Reaktionen lebst. Dein physischer Körper auf dem dritten Strahl veranlaßt dich zu großer physischer Betätigung (wie schnelle Bewegung und schnelles Sprechen); er ist schuld, daß du immerzu irgendwelche Arbeit tust und häufig etwas, was keinerlei gute Resultate zeitigt und was in gar keinem Verhältnis zu der aufgewandten Mühe steht.

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Jedenfalls, mein Bruder, wir wollen uns wieder bemühen, ein wenig miteinander zu arbeiten und gleichzeitig emotionelles Gleichgewicht zu bewahren, was zu einem besseren Gleichgewicht in deinem Drüsensystem führen wird. Es wird leichter erreicht werden, wenn du ein regelmässiges organisiertes Leben führst, dich ruhiger bewegst, weniger redest und dich bemühst, dich in deinem Mentalkörper zu polarisieren.

Ich möchte dich bitten, regelmässig jeden Tag etwas zu meditieren und zwar absichtlich ganz ohne Intensität, was fast bis zum Punkt von Interesselosigkeit ausgedehnt wird. Halte dich einfach an die Form und schau nicht nach Resultaten aus. Sie werden automatisch folgen, selbst wenn du ihrer nicht gewahr wirst. Studiere was ich dir sage und halte dich an die Gruppenanforderungen.

ANMERKUNG: k G.S.S. hat ihre Arbeit mit voller Zustimmung des Tibeters aufgegeben. Die Spannung der Gruppentätigkeit erwies sich als zu stark für sie. In einem späteren Leben wird sie ihren Platz wieder einnehmen. /k

 

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