Das Beschreiten des Weges

Das Beschreiten des Weges

Bei der Besprechung der vierzehnten Regel haben wir gesehen, daß jetzt der kritische Punkt der äußeren Gestaltung im magischen Wirken vom Aspiranten erreicht worden ist. Er ist bemüht, ein magischer Schöpfer zu werden und zweierlei zu vollbringen:

1. Sein Instrument oder seinen Kontaktmechanismus neu zu erschaffen, so daß der Sonnenengel ein Manifestationsmittel hat, das der Wirklichkeit angemessenen Ausdruck verleihen kann.

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Dazu gehört, wie schon bemerkt, der rechte Typus, die rechte Qualität, Stärke und Geschwindigkeit.

2. Jene hilfreichen Ausdrucksformen in der Außenwelt zu erschaffen, vermittels derer die darin verkörperte Energie — die durch die neuerschaffenen Hüllen strömt — der Welt dienen kann.

Im ersten Fall befaßt sich der Aspirant mit sich selbst, da er in seinem eigenen Kreis arbeitet und so lernt, sich selbst zu erkennen, sich umzuwandeln und seinen äußeren Formaspekt neu aufzubauen. Im anderen Fall lernt er, ein Diener der Menschheit zu sein und jene Ausdrucksformen zu bilden, welche die neuen Ideen, Prinzipien und Vorstellungen verkörpern, die unseren Menschheitsfortschritt beherrschen und abrunden müssen.

Denkt daran, daß kein Mensch ein Jünger ist, so wie ein Meister dieses Wort versteht, wenn er nicht ein Pionier ist. Wenn die geistige Wahrheit einen Widerhall findet, wenn eine wirkliche Freude an vorwärtsweisenden Idealen, eine frohe Zustimmung zu den Wahrheiten des Neuen Zeitalters vorhanden ist, — so macht doch all dies noch keinen Jünger aus. Wäre es so, dann wären die Reihen der Jünger schnell aufgefüllt, doch das ist leider nicht der Fall. Die Fähigkeit, ein Verständnis für die nächsten Erkenntnisse zu gewinnen, die dem menschlichen Denken bevorstehen, — sie kennzeichnet den Aspiranten, der vor der angenommenen Jüngerschaft steht; die aus der Feuerprobe anstrengender innerer Erfahrung erarbeitete Fähigkeit, das unmittelbare Zukunftsbild zu erschauen und jene Grundideen zu erfassen, die das Denkvermögen notwendigerweise einhüllen muß, — das gibt einem Menschen das Recht ein anerkannter Mitarbeiter am Plan zu sein (anerkannt von den Großen, wenn auch nicht anerkannt von der Welt). Wenn man die richtige geistige Einstellung und Aspiration erreicht hat und diese beharrlich beibehält, ganz gleich welche Verwirrungen etwa im Leben auf der physischen Ebene bestehen -, dann zeigt eben das jenen Beobachtern, welche nach Helfern suchen, an, daß hier ein Mensch ist, dem man einen kleinen Aspekt des von ihnen unternommenen Werkes anvertrauen kann; die Fähigkeit, das niedere Selbst zu vergessen und untertauchen zu lassen in der Aufgabe, die Welt unter dem Seelenimpuls zu leiten, –

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sie hebt einen Menschen aus den Reihen der strebenden Mystiker heraus in die Reihen der praktisch und dennoch mystisch denkenden Okkultisten.

Es ist eine ausgesprochen praktische Arbeit, zu der wir uns verpflichtet haben; sie hat dazu solche Ausmaße, daß sie die ganze Aufmerksamkeit und Zeit eines Menschen, selbst sein ganzes Gedankenleben, in Anspruch nimmt; und sie bringt ihn zu einer wirksamen Entfaltung seiner Persönlichkeitsaufgabe, die ihm durch karmische Begrenzungen und ererbte Neigungen auferlegt wird sowie zu einer beharrlichen Hinwendung zu magisch-schöpferischem Wirken. Jüngerschaft ist eine Synthese von harter Arbeit, intellektueller Entfaltung, beharrlichem geistigem Streben und geistiger Orientierung; dazu kommen die seltenen Qualitäten positiver Harmlosigkeit und des offenen Auges, das nach Belieben in die Welt der Wirklichkeit hineinschaut.

Es sollten dem Jünger bestimmte Überlegungen nahegebracht werden, die wir um der Klarheit willen aufzählen wollen. Um ein Adept zu werden, muß der Jünger folgenden Geboten gehorchen:

1. Erforsche den Weg.

2. Gehorche den inneren Impulsen der Seele.

3. Kümmere dich nicht um weltliche Überlegungen oder Rücksichten.

4. Führe ein Leben, das anderen als Beispiel dient.

Diese vier Forderungen mögen beim ersten oberflächlichen Lesen leicht erfüllbar klingen; wenn man sie jedoch sorgfältig studiert, so wird es deutlich werden, warum ein Adept „die seltene Blüte einer Generation suchender Menschen“ ist. Wir wollen einmal diese vier Punkte nacheinander durchgehen.

1. k Erforsche den Weg. /k Von einem Meister wird uns gesagt, daß aus einer ganzen Generation Suchender vielleicht nur ein Adept hervorgeht. Warum sollte das so sein? Aus zwei Gründen:

Erstens ist der wahre Forscher ein Mensch, der über die Weisheit seiner ganzen Generation verfügt, der das Beste ist, was seine eigene Zeit hervorgebracht hat,

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und der doch unbefriedigt bleibt, denn sein inneres Verlangen nach Weisheit ist ungestillt. Es wird ihm klar, daß es etwas Wichtigeres gibt als alles Wissen, etwas, das größere Bedeutung hat als alle Erfahrung seiner eigenen Epoche und Zeit zusammengenommen. Er erkennt eine weitere Stufe und versucht, sie zu ersteigen, um etwas zu gewinnen, das er zu dem bereits von seinen Gefährten erworbenen Anteil hinzufügen kann. Nichts befriedigt ihn, ehe er nicht den Weg findet, nichts stillt das Verlangen im Zentrum seines Wesens, als nur das, was er im Haus seines Vaters findet. Er wird zu dem, was er ist, weil er alle geringeren Wege erprobt und sie als unzureichend befunden hat, weil er vielen Führern gefolgt ist und herausfand, daß sie „blinde Führer der Blinden“ waren. Es bleibt ihm nichts übrig, als sein eigener Führer zu werden und seinen Weg nach Hause allein zu finden. In der Einsamkeit, die das Los eines jeden wahren Jüngers ist, wird jene Selbsterkenntnis und jenes Selbstvertrauen geboren, die ihn wiederum befähigen, ein Meister zu werden. Diese Einsamkeit ist nicht einer absondernden Geisteshaltung, sondern den Bedingungen des Weges selbst zuzuschreiben. Die Aspiranten müssen diesen Unterschied sorgfältig beachten.

Zweitens ist der echte Forscher ein Mensch, dessen Mut von jener seltenen Art ist, die den Besitzer befähigt, aufrecht dazustehen und seinen eigenen klaren Ton inmitten der Unruhe der Welt erklingen zu lassen. Es ist ein Mensch, dessen Auge so geschult ist, daß es über die Nebel und Dünste der Erde hinweg auf jenes Zentrum des Friedens schauen kann, das über allen irdischen Geschehnissen steht; er hat das geübte, aufmerksame Gehör, das (nachdem er einmal das Flüstern der Stimme der Stille vernommen hat) auf diese hohe Schwingung abgestimmt bleibt und somit allen geringeren, verlockenden Stimmen gegenüber taub ist. Auch das bringt wieder Einsamkeit und führt zu jenem Abstand, den alle weniger entwickelten Seelen in der Gegenwart von Menschen spüren, die ihnen voraus sind.

Eine paradoxe Situation entsteht durch die Tatsache, daß dem Jünger gesagt wird, er solle den Weg erforschen, und doch ist niemand da, der ihm etwas darüber sagen würde. Diejenigen, die den Weg kennen, dürfen nicht sprechen, denn sie wissen, daß der Pfad vom Aspiranten erbaut werden muß, so wie die Spinne aus dem Mittelpunkt ihres eigenen Wesens heraus ihr Netz spinnt.

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So entfalten sich in jeder Generation nur jene Seelen zu Adepten, die allein durch die „Kelter des göttlichen Zornes geschritten sind“, oder die — mit anderen Worten — ihr Karma allein abgetragen und einsichtsvoll die Aufgabe übernommen haben, den Pfad zu betreten.

2. k Gehorche den inneren Impulsen der Seele. /k Die Lehrer der Menschheit unterrichten den angehenden Eingeweihten wohlweislich darin, das Unterscheidungsvermögen zu üben; sie schulen ihn in der mühsamen Aufgabe, zu unterscheiden zwischen:

a. Instinkt und Intuition.

b. Höherem und niederem Denken.

c. Verlangen und geistigem Impuls.

d. Egoistischem Streben und göttlichem Antrieb.

e. Dem von den Lunarherren ausgehenden Drang und der Entfaltung des Sonnenherrn.

Es ist keine leichte oder schmeichelhafte Aufgabe, sich selbst zu ergründen und zu entdecken, daß vielleicht sogar der Dienst, den wir geleistet haben, und unser Verlangen, zu forschen und zu wirken, im letzten Grund einer egoistischen Haltung entsprang und auf dem Wunsch nach Befreiung oder auf der Unlust beruht, eintönige Alltagspflichten zu erfüllen. Derjenige, der den Impulsen der Seele gehorchen will, muß im Zusammenfassen von Tatsachen genau sein und eine Wahrhaftigkeit gegen sich selbst pflegen, was heute wirklich noch sehr selten ist. Er sollte sich sagen: „Ich muß gegen mein eigenes Selbst wahrhaftig sein“, und er soll auch in den Augenblicken seines Lebens, die ihm allein gehören, und in der Verschwiegenheit seiner eigenen Meditation keinen Fehler beschönigen, noch sich in irgend einer Hinsicht entschuldigen wollen. Er soll lernen, seine eigenen Worte, Taten und Motive prüfend zu erkennen und die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Nur so wird er sein geistiges Unterscheidungsvermögen schulen und die Wahrheit in allen Dingen erkennen lernen. Nur so kann er zur Wirklichkeit durchdringen und das wahre Selbst erkennen.

3. k Achte nicht auf die gescheiten Überlegungen weltlicher Wissenschaft und weltlicher Klugheit. /k Wenn der Aspirant in sich die Fähigkeit heranbilden muß, allein zu gehen, wenn er die Kraft entwickeln muß, in allen Dingen wahrhaftig zu sein, so ist es für ihn ebenso nötig, seinen Mut auszubilden.

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Er wird der Meinung der Welt konsequent entgegentreten müssen, auch wenn sie sich in der besten Weise äußert; und dies wird immer wieder notwendig sein. Er muß lernen, das Rechte zu tun, so wie er es sieht und erkennt, ohne Rücksicht auf die Meinung auch der größten und meistgenannten Menschen der Erde. Er muß sich auf sich selbst verlassen und den Beschlüssen folgen, die er selbst in den Augenblicken geistiger Kommunion und Erleuchtung gefaßt hat. Gerade hier versagen so viele Aspiranten. Sie handeln nicht nach bestem Wissen; es gelingt ihnen nicht, bis ins einzelne so zu handeln, wie es ihnen die innere Stimme sagt; sie lassen bestimmte Dinge ungetan, zu denen sie in ihren Meditationsaugenblicken veranlaßt wurden, und sprechen nicht das Wort, das ihr geistiger Ratgeber, das Selbst, sie zu sprechen drängt. Aus der Anhäufung all dieser unerfüllten Einzelheiten ergeben sich dann die großen Mißerfolge.

Es gibt im Leben eines Jüngers keine Lappalien, und ein ungesprochenes Wort, eine nicht ausgeführte Handlung können sich als der Umstand erweisen, der den Menschen von der Einweihung abhält.

4. k Führe ein Leben, das anderen zum Beispiel dient. /k Ist es nötig, darauf näher einzugehen? Es scheint, als ob dies nicht sein müßte, und doch versagen die Menschen auch hier wieder. Was ist überhaupt Gruppendienst? Einfach das beispielhafte Leben. Derjenige Mensch ist der beste Repräsentant der Ewigen Weisheit, der jeden Tag, auf dem Platz, wo er steht, das Leben des Jüngers führt; er führt es nicht dort, wo er seiner Meinung nach stehen sollte. Vielleicht ist die Feigheit überhaupt die Eigenschaft, aus der die meisten Mißerfolge bei den Aspiranten zur Meisterschaft entspringen. Die Menschen versäumen es, sich dort zu bewähren, wo sie stehen, weil sie irgendeinen Grund finden, der ihnen die Meinung eingibt, sie müßten an anderer Stelle stehen. Die Menschen laufen, meist ohne das klar zu erkennen, vor Schwierigkeiten, vor unharmonischen Zuständen, vor problematischen Situationen und vor Umständen davon, die nach Taten höherer Art verlangen und die dazu bestimmt sind, aus dem Menschen das Beste, das in ihm liegt, herauszuholen, vorausgesetzt, daß er durchhält. Die Menschen fliehen vor sich und anderen, anstatt einfach k ihr Leben zu leben. /k

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Der Adept spricht kein Wort, das verletzen, Schaden anrichten oder verwunden könnte. Darum hat er die Bedeutung der Sprache inmitten der Unruhen des Lebens lernen müssen. Er verschwendet keine Zeit an Selbstbedauern oder Selbstrechtfertigung, denn er weiß: das Gesetz hat ihn dorthin gestellt, wo er ist, und wo er am besten dienen kann; er hat gelernt, daß die Schwierigkeiten immer vom Menschen selbst verschuldet und das Ergebnis seiner eigenen gedanklichen Einstellung sind. Wenn ihn der Wunsch ankommt, sich selbst zu rechtfertigen, so erkennt er dies als eine Versuchung, die er meiden muß. Er erkennt, daß jedes gesprochene Wort, jede vollzogene Tat, jeder Blick und jeder Gedanke eine Wirkung zum Guten oder Bösen auf die Gruppe ausübt.

Wird daraus nicht deutlich, warum so wenige Erfolg haben und so viele versagen?

Eine Abhandlung über weisse Magie oder der Weg des Jüngers, 04-582

Empfindsamer Körper und äußere Kontakte

Diene aus dem Zentrum in deinem Innern heraus durch die Feder, Gedanken und Unterredung

- aber nimm keinen äußeren Kontakt mit der Welt auf.

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November 1936

MEIN BRUDER!

Diesmal gebe ich dir nur eine kurze Unterweisung. Wir haben häufig Fühlung miteinander und du bist augenblicklich mit neuen Anpassungen zum Leben beschäftigt. Diese Anpassungen sind notwendig und richtig, und ich will mich nicht einmischen oder dein Denken irgendwie komplizieren. Die letzten drei Jahre haben dir viele Veränderungen gebracht – einige in bezug auf Umstände, Umgebung und das Gebiet menschlicher Kontakte, aber die meisten waren innerlicher Art und im Bereich des Bewußtseins.

Du trittst in eine Periode intensiver Arbeit ein. Zwei Dinge möchte ich dir diesmal jedoch sagen, mein Bruder und mein Freund.

1. Einen Kontakt mit deiner Seele. Dieser ist bereits gemacht worden und fest begründet.

2. Einen Kontakt mit der Hierarchie vermittels deiner Seele.

3. Einen Kontakt mit der Astralebene durch den sechsten Strahl der Persönlichkeit, die daher mit Leichtigkeit auf der sechsten Ebene, der astralen, funktioniert.

6. Kontakt mit Ideen durch aktive Intuition.

Dies sind entschieden wertvolle Eigenschaften und Kennzeichen des fortgeschrittenen Jüngers. Ich denke, daß du dies weist, ohne daß ich es dir sage. Aber alle diese Kontakte machen das Handhaben von Kraft erforderlich und bringen ihre eigenen einzigartigen Probleme mit sich.

Dein k Mentalkörper /k befindet sich auf dem fünften Strahl des konkreten Wissens. Daher dein Interesse und deine Brauchbarkeit in der Wissenschaft der Astrologie, die in vieler Hinsicht die Wissenschaft der Wissenschaften ist. Daher auch dein scharfes Denken, dein unermüdliches Forschen nach der Wahrheit und deine Fähigkeit, Licht in bezug auf viele Dinge zu erlangen. Du solltest aber an den einen Punkt denken, daß der fünfte Strahl ein kristallisierender Faktor ist und (in Verbindung mit dem Willen und der Macht, die du in deinem letzten Leben entwickelt hast) könnte er dazu verleiten, dich dogmatisch und infolgedessen trennend zu machen. Dies muß durch deine Seele auf dem zweiten Strahl ausgeglichen werden.

Dein k Astralkörper /k steht auf dem sechsten Strahl, ebenso wie deine Persönlichkeit, und dies hilft dir sehr in deiner Lebensaufgabe, vorausgesetzt, daß du den Astralkörper als Mittel des

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Seelenausdrucks gebrauchst und nicht als einen Mittler seiner selbst auf der Astralebene. Diese Strahlenkraft gibt dir Hingabe, Idealismus, einen dynamischen Willen, durch alle Verblendungen und falschen Auffassungen hindurchzudringen und auf diese Weise Wahrheit und Freiheit zu erlangen, sowohl für dich selbst als auch für deine Gruppe und diejenigen, denen du dienst. Es könnte dich auch, wenn du dies gestatten würdest, dazu führen, selbstverblendet und von Illusion übermannt zu werden.

Dein k physischer /k Körper steht auf dem siebenten Strahl der zeremoniellen Ordnung oder Magie; hier ist in vieler Hinsicht der Ursprung deiner schlechten Gesundheit zu finden. Die siebente Ebene ist die Ebene, auf welcher der Geist sich ausdrücken muß. Sie ist die Empfängerin geistiger Energie. Dein physisches Werkzeug und Ausdrucksmittel ist von so empfindungsfähiger und verfeinerter Natur und ein so zarter Empfänger, daß dein Lebensproblem darin besteht, die geistige Energie, die hindurchzufliessen sucht, weise zu handhaben. Dies stellt ein tatsächlich bestehendes Problem dar, dem du seit Jahren gegenübergestanden hast, und mit dem du dich auch weiterhin wirst abfinden müssen.

Dieser augenblickliche Zyklus oder Abschnitt deines Lebens macht es erforderlich, daß du gewissen endgültigen Entscheidungen ins Auge siehst. Aus diesem Grund gebe ich dir keine Arbeit, abgesehen von jener, welche die Gruppe leistet, und keine besondere Meditation. Deine Hauptarbeit (und das Thema deiner Meditation) besteht augenblicklich darin, zu einer richtigen Entscheidung zu kommen, während du in eine neue Periode geistiger Tätigkeit eintrittst. Das Problem geht in die Tiefe. Aber du kannst es lösen, wenn du langsam vorgehst, wenn du deine Seele ersuchst, Licht auf deinen Weg zu werfen, und wenn du die beiden Vorschläge, die ich am Anfang dieser Unterweisung gemacht habe, berücksichtigst. Außerdem mein Bruder, wie es so oft der Fall in anderen Leben gewesen ist, stehe ich dir voller Liebe und Verständnis bei.

Immer unter Spannung stehen

Immer unter Spannung stehen – Auszug aus Jüngerschaft Buch I S. 05-413

März 1938

MEIN BRUDER!

Während der nächsten sechs Monate müssen wir entscheiden, ob du dieser geplanten Arbeit gewachsen bist oder nicht. Wenn es sich am Ende dieser nächsten Studienperiode herausstellt, daß du nicht an der Arbeit teilnehmen solltest, dann wird es erforderlich sein, daß du – um der Gruppeneinheit willen und um des beabsichtigten Unternehmens des Heilens willen – ausscheidest. Karmisch stehst du in Beziehung zu mir und dieser Gruppe von Aspiranten; was Empfindungsfähigkeit betrifft, so bist du dieser Aufgabe gewachsen; du strebst danach, sie zu unternehmen. Worin liegt denn die Schwierigkeit? Was verursacht diese Überanstrengung des Drüsensystems?

Die Antwort liegt in drei Umständen, die ich dir offen vorlegen will, wobei ich es dir überlasse, meine Vorschläge anzunehmen oder zu verwerfen, je nachdem, wie es dir am besten erscheinen mag.

Erstens (und vor allem anderen) eine k intensive /k Haltung zum Leben. Du lebst stets in einem Spannungspunkt. Solche Spannungspunkte treten bei allen Jüngern auf, und so sollte es auch sein, denn gerade in solchen kritischen Augenblicken erscheint wirkliches Wachstum und werden wahre Entscheidungen getroffen, aber du bist stets an einem solchen Punkt und weisst niemals, wann du dich entspannen solltest. Selbst wenn du dich amüsierst, bist du in Spannung; wenn du ruhst, ist die Spannung noch größer. Du könntest Entspannung erlernen, wenn du möchtest, aber du bemühst dich nicht wirklich, dies zu tun, und es ist fraglich, ob du Entspannung üben würdest, selbst wenn du es könntest.

Zweitens bist du unfähig, das Unwesentliche aus deinem täglichen Leben zu entfernen. Du tust so vieles, was du nicht zu tun brauchst und bist dir nicht klar darüber, daß es wirklich nicht darauf ankommt, ob diese Dinge getan werden oder nicht. Wenn

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du je als Jünger funktionieren solltest, ist der Sinn für geistige Werte eines deiner hauptsächlichen Erfordernisse. Wenn du diese Lektion lernen kannst, wirst du dich mit den Dingen befassen, die von bleibendem Wert sind und nicht mit vergänglichem Tun, das dir keine wirklichen Ergebnisse einbringt.

Drittens nimmst du viele Dinge im Leben viel zu ernst, wie z.B. die Arbeit dieser Gruppe. Du denkst zu intensiv über diese Dinge nach und du nimmst die Gruppenarbeit, dein tägliches Leben und deine häuslichen Probleme sowie alle deine Lebensinteressen, zu wichtig. Jeder Jünger muß eines Tages zweierlei lernen, mein Bruder. Eins ist, die Fähigkeit zu entwickeln „leicht im Sattel zu sitzen“ (um eine alte sprichwörtliche Vorschrift zu gebrauchen) und das andere ist ein Sinn für Humor, eine wirkliche (nicht erzwungene) Fähigkeit, k über sich selbst und mit der Welt /k zu lachen. Dies ist eine der Entschädigungen, die denen zuteil wird, die im Licht auf der Mentalebene arbeiten. Wenn du dies tun kannst wird die beständige Spannung, unter der du arbeitest, sich lösen.

Wie kommt diese Spannung in deinem Fall zustande, mein Bruder? Sie beruht auf einer inneren angeborenen Fähigkeit, die Stufen der Seele zu berühren und dadurch für den Einfluß von Seelenkraft offen zu sein. Dies versieht die verschiedenen Zentren mit Leben und Energie, und diese ihrerseits spornen das Drüsensystem zur Tätigkeit an. Wenn jedoch nicht genügend Gebrauch von geistiger Energie gemacht wird, dann wird sie in den Zentren „deponiert“ (wenn ich einen so unzulänglichen Ausdruck gebrauchen darf) und dies ruft schlechte Resultate hervor. Dein Kehlzentrum und das Sonnengeflechtszentrum empfangen am meisten von dieser Energie und daher deine Übermäßige Tätigkeit auf der physischen Ebene und die nervöse Energie, und daher kommt, verursacht durch das Kehlzentrum, auch deine Neigung zu vielem Reden und zu lebhaften Gesprächen. Das Herzzentrum und das Zentrum zwischen den Augenbrauen sollten mehr von dieser Energie erhalten und dies würde dazu führen, das System der Drüsen mit innerer Sekretion ins Gleichgewicht zu bringen und sich in größerer Freiheit und k spontanem /k Dienst auszuwirken. Welche Aspekte deines Lebens können also Empfänger geistiger Kraft sein? Wo kannst du geistig dienen und auf diese Weise diese deponierte geistige Energie befreien? Wir haben definitiv mit Energie zu tun, wenn wir leben und dienen, und diese geistige Energie k muß /k dazu gebraucht werden, die Gruppe zu fördern und den Gruppenbedingungen gerecht zu werden. Ich beziehe mich hier nicht auf diese Gruppe, sondern auf jede Art richtiger Gruppentätigkeit, der du

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begegnen magst. Wie kannst du diese Kraft im Dienst gebrauchen, damit sie nicht aufgestaut, sondern einem geistigen Zweck dienstbar gemacht wird? Das ist dein Problem und eine Hauptfrage bei vielen Jüngern.

Du hast häufig die Bemerkung gemacht, daß du so wenig weisst, daß du zu schnell vorwärtsgetrieben worden bist, und daß du keinen Hintergrund von erworbenem Wissen besitzest. Aber du hast seit vielen Jahren mit meiner Arbeit Fühlung gehabt und – obgleich du gegenteiliger Ansicht sein magst – du hast die mentale Fähigkeit und die freie Zeit (wenn du dein tägliches Leben richtig organisieren würdest) um zu lesen und zu studieren. Aber dies fällt dir sehr schwer, nicht wahr? Aber, Bruder seit langer Zeit, der Weg des Jüngers ist niemals leicht. Die Spannung unter der du leidest, hätte zum großen Teil vermieden werden können durch ein ruhigeres Leben, in dem du liest, ruhig denkst, deine Tätigkeit organisierst, schweigst und dich weigerst, unwesentliche Dinge zu übernehmen (jene Dinge, die andere Leute ebenso gut tun können wie du) oder fähig bist, Dinge ungetan zu lassen.

Ich habe dir so frei und offen geschrieben, weil ich dich aus deinem augenblicklichen Zustand befreien und dir zu vollerem Dienst, besserer Gesundheit und echterem Glück verhelfen möchte. k Ich bemühe mich, dich als ein ruhiges Zentrum geistiger Kraft zu sehen /k. Ich möchte, daß du dein Leben auf solche Art und Weise neu ordnest, daß du jene gemächliche Ruhe zeigen kannst, durch die Kraft von dir zu denen fließen kann, die du liebst und mit denen du in Berührung kommst. Kannst du dir genügend Musse nehmen, um wenigstens den Zweck dieser Auseinandersetzungen zu begreifen? Kannst du dich bemühen, sie auszunützen?

Eine andere Quelle deiner Schwierigkeiten liegt in deinem Astralkörper auf dem sechsten Strahl, (dem Strahl idealistischer, fanatischer Hingabe) denn er bewirkt einen eigentlichen Mangel an Gleichgewicht, ungebührliche Aufmerksamkeit für die Einzelheiten eines Prozesses und Hingabe an jene Einzelheiten wegen der emotionellen Befriedigung, die von dieser Aufmerksamkeit herkommt. Dies verursacht einen Mangel an Verständnis für größere Fragen und eine Unfähigkeit, ruhig auf dem Weg weiterzuschreiten. Deine mentale Natur auf dem ersten Strahl kann dies ausgleichen, wenn du ihr die Möglichkeit geben willst und mehr im Denkaspekt und weniger in deinen Gefühlen und emotionellen Reaktionen lebst. Dein physischer Körper auf dem dritten Strahl veranlaßt dich zu großer physischer Betätigung (wie schnelle Bewegung und schnelles Sprechen); er ist schuld, daß du immerzu irgendwelche Arbeit tust und häufig etwas, was keinerlei gute Resultate zeitigt und was in gar keinem Verhältnis zu der aufgewandten Mühe steht.

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Jedenfalls, mein Bruder, wir wollen uns wieder bemühen, ein wenig miteinander zu arbeiten und gleichzeitig emotionelles Gleichgewicht zu bewahren, was zu einem besseren Gleichgewicht in deinem Drüsensystem führen wird. Es wird leichter erreicht werden, wenn du ein regelmässiges organisiertes Leben führst, dich ruhiger bewegst, weniger redest und dich bemühst, dich in deinem Mentalkörper zu polarisieren.

Ich möchte dich bitten, regelmässig jeden Tag etwas zu meditieren und zwar absichtlich ganz ohne Intensität, was fast bis zum Punkt von Interesselosigkeit ausgedehnt wird. Halte dich einfach an die Form und schau nicht nach Resultaten aus. Sie werden automatisch folgen, selbst wenn du ihrer nicht gewahr wirst. Studiere was ich dir sage und halte dich an die Gruppenanforderungen.

ANMERKUNG: k G.S.S. hat ihre Arbeit mit voller Zustimmung des Tibeters aufgegeben. Die Spannung der Gruppentätigkeit erwies sich als zu stark für sie. In einem späteren Leben wird sie ihren Platz wieder einnehmen. /k