Ideale sind
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Formulierungen des menschlichen Denkens. Die Hierarchie hat keine Ideale. Die Hierarchie ist einfach der Kanal für reine Liebe, und wo Liebe vorhanden ist, besteht keine Gefahr für Härte, Grausamkeit, Missverständnis, für das Umgehen von Tatsachen oder dafür, anderen Leid zuzufügen. Auch vieles, was manche als harmlos ansehen, ist in seinen allgemeinen Wirkungen entschieden schädlich. Ideale, wie sie gewöhnlich verstanden werden, nähren Stolz, führen zu Halsstarrigkeit und rufen eine trennende Überlegenheit hervor; sie erzeugen unpraktische Haltungen und negative Tätigkeiten. Derjenige, welcher sich ihnen auf diese Weise hingibt, dient häufig nur in dem begrenzten Feld, das von seiner erwähnten Arbeit abhängt und von seinem Idealismus beeinflußt wird. Er schließt das Ganze aus und denkt im Sinn der Vergangenheit und so, wie er denken will. Es ist kein wirkliches Verständnis für einen entgegengesetzten Idealismus vorhanden, und häufig wird kein wirklicher Versuch gemacht, seine Grundlage zu verstehen. Die Betonung seiner eigenen Ideale (in seinem eigenen Bewußtsein, selbst wenn sie nicht anderen auferlegt werden) verhindert Verständnis, und er ist so damit beschäftigt, sie aufrecht zu erhalten und zu verteidigen (oft wieder sich selbst gegenüber) und von ihnen beeinflußt zu werden, daß die größeren menschlichen Fragen seiner Aufmerksamkeit entgehen. Er bleibt beharrlich innerhalb der Grenzen seiner eigenen Überzeugungen. Dies macht ihn sofort zu einem Theologen, und seine Brauchbarkeit verschwindet dann schnellstens, ausgenommen in dem intimen Kreis seiner Mitidealisten. Mit der Zeit findet Kristallisierung statt. Eine „Kristallschranke“ wird zwischen der Persönlichkeit und der Seele errichtet. Die Seele ist sichtbar, aber ihr Einfluß wird isoliert. Jedoch – weil noch eine Vision von der Seele fortdauert – ist der Jünger tief unbefriedigt. Die Kristallisierung zieht schließlich alle Aspekte seines Wesens in Mitleidenschaft. Gefühle lassen sich in den „Furchen von Kristall“ nieder. Der Denkaspekt wird starr und brüchig. Der physische Körper kristallisiert ebenfalls und wird schnell alt, weil kein freier Fluß des Lebens vorhanden ist.
Nur eines wird es verhindern, daß dies geschieht. Liebevolles Verständnis und ein sich daraus ergebendes Opfer des Lebens für die Menschheit als Ganzes. Das Beste für die größte Anzahl wird zum Thema seines Lebens, und diesem wird der ganze Mensch untergeordnet.
Kannst du diese Vision begreifen und alles aufgeben? Nur zwei Strahl-Energietypen drücken sich durch deine niedere Natur aus: Intellekt und Idealismus. Denke ein wenig über die Wirkungen dieses unausgeglichenen Zustandes nach und überlege, was er hervorbringen wird. Sei nicht mit deiner mentalen Tätigkeit und Deinem
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geweihten Idealismus zufrieden. Reiche über sie hinaus zur Seele, deren Natur Liebe ist und die sich mit der Menschheit und nicht mit einer Gedankenrichtung oder einer Gruppe von Idealen identifiziert.
Du stehst am Scheideweg, mein Bruder. Willst du einem erneuten Dienst, neuen Idealen und einem neuen Zyklus schöpferischen Lebens entgegengehen? Oder willst du dich in einem kristallisierten Zustand und einem eifrigen Ringen niederlassen, um schöpferisch zu werden und Ideale auszudrücken, die vielleicht bereits aufgegeben sind, um für höhere und bessere Platz zu machen. Auf diese Weise würdest du weiterhin in der Aura dessen stehen, was alt ist, und keine weiteren Fortschritte machen und später zu der Einsicht erwachen, daß schöpferisches Leben ein spontanes Ereignis ist und daß deine Ideale durch größere und geistigere abgelöst worden sind.
Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band II, 06-531
{06-689} … Du kannst ganz entschieden mehr lieben – mit weniger Zuneigung zu den Wenigen und einer außerordentlich vergrösserten Einschliessung und Tiefe für die Vielen. Du kannst dich von gewissen Gedankenformen befreien, welche dein Denken in vieler Hinsicht beeinflussen. Du kannst die Lektion leichter
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erlernen, daß ein wahrer Jünger das wünscht, was für die ganze Menschheit am besten ist und nicht das, was du vom Standpunkt irgendeiner Gruppe, Gedankenrichtung oder historischen oder politischen Ordnung für am besten hältst. Du mußt lernen, in einem größeren Maßstab als demjenigen irgendeiner nationalen Gruppe oder Gruppe von Nationen zu denken. Das bedeutet ein intensiveres Studium des Plans und das bedeutet ruhige, innere Erwägung, nicht das Lesen von Büchern oder der Verfolgung einer tieferen Meditation; es bedeutet das Überwinden alter Vorurteile und voreingenommener Ideen, damit das, was neu und gänzlich anders ist als das, was du vermutest oder gedacht hast, in dein Denken eintreten und deine Zukunft beeinflussen kann.
Wenn du dies nicht tun kannst (und es fällt dir nicht leicht, dich von Tradition und Hintergrund freizumachen), besteht die Tendenz, daß Kristallisierung eintritt, und ich weiß, daß dieses etwas ist, das du befürchtest und was nicht zu geschehen braucht. Das große Schutzmittel gegen irgendeine anwachsende Härte oder Starrheit des Wahrnehmungsvermögens ist Liebe, und die große Lektion für alle Jünger ist, bis zum jüngsten Tag immer mehr zu lieben.
Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band II, 06-689
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