Der wahre Ashram (von dem die zukünftigen äußeren Ashrame nur Widerspiegelungen sein werden), ist kein Diskussionsgegenstand für den niederen, konkreten Denkaspekt. Er ist ein Brennpunkt der Empfangsbereitschaft, er umfaßt die Bemühung, durch ein vereintes Erkennen der Vision, der esoterischen Grundlage des Lebens und der Gesetze, die das Handeln beherrschen, gegenseitige Fühlung herzustellen. Er ist jedoch kein Ort für lange und schweigende Meditationsprozesse, denn er ist ein Spannungspunkt, wo die zeitlose Wahrheit in ihren mehr esoterischen Aspekten gemeinsam besprochen wird, wo die Natur der Seelenbeziehung erkannt wird, und wo die Verschmelzung von Auren und die Verbindung der „Dreiecke“ bewußt vor sich geht. Ein Ashram ist der Geisteszustand einer geistigen Gruppe. Er ist ein Punkt gemeinsamen Denkens; er ist ein Zentrum, in dem die Vision, aber keine Arbeitsmethoden der physischen Ebene klargestellt werden. Wenn Jünger lernen, sich in den Ashram eines Meisters zu integrieren, dann entdecken sie, daß sie als erstes eine grundlegende Harmonie zwischen sich selbst und ihren Mitjüngern herzustellen haben und den Kontakt zwischen ihrer eigenen Seele, der ashramischen Gruppe und dem Meister verstärken müssen. Dann lernen sie, durch Diskussion und Experiment das Wesen der Energien, die Weltausdruck suchen, und die Natur der Kräfte, die zur Machtlosigkeit abgeschwächt werden müssen, zu verstehen, wenn diese neu hereinkommenden Energien sich als wirksam erweisen sollen, die erwünschten Veränderungen nach dem Plan herbeizuführen.
Sie lernen auch, daß sie selbst als einzelne weder ein Schwäche noch eine Stärke besitzen, die dem „Blick“ der Gruppe nicht unterbreitet werden darf; auf diese Weise gelangen sie zum Abstreifen aller „Schleier“, die es dem klaren Licht der Seele verwehren,
{05-708}
hervorzuleuchten. Das Ziel aller Arbeit, die im Ashram von irgendeinem der Meister geleistet wird, ist WAHRHEIT, auf allen Stufen und jederzeit. Wenn Jünger auf diese Weise lernen, vom Punkt oder Zentrum des Lichts, des Verstehens und der Wahrheit aus, in das sie immer mehr eingegliedert werden, zu arbeiten, dann werden ihre exoterische Brauchbarkeit und ihr wirksamer Dienst außerordentlich gefördert werden; sie werden als Gruppe wissen, was getan werden muß und schließlich erfahren, daß es getan wird.
Alice A. Bailey, Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band I, 707