für die Diener der Rasse spielt Zeit eine große Rolle

Für die Massen der Menschheit ist Zeit von keiner großen Bedeutung, aber für die Diener der Rasse spielt sie eine große Rolle. Verliert deshalb keine Zeit mit übermäßiger Selbstanalyse, Selbstmissbilligung oder Selbstverteidigung. Geht mit Unterscheidungsvermögen vorwärts, soweit es eure Entfaltung betrifft und mit Liebe und Verständnis, soweit es die Gruppe anbelangt. Soweit es mich, euren Lehrer, anbetrifft, so schenkt meinen Worten die gebührende Beachtung und bemüht euch, mit mir zusammenzuarbeiten. Dann werde ich eines Tages die Freude haben, euch an dem „Geheimen Ort“, wo alle wahren Diener und Eingeweihten sich schließlich begegnen und vereinigen müssen, willkommen zu heißen.

Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band I, 05-78

Pranayama und die Mächtigkeit des Gedankens dahinter

Auf eins möchte ich dich aufmerksam machen: In deinen Atemübungen, die ich beobachtet habe, als du diese Woche arbeitetest, wird die Lunge und der Auffüllaspekt ungebührlich betont. Du strengst dich zu sehr an bei dem, was du tust. Die Macht und Innerlichkeit des Pranayama-Prozesses liegt in der Mächtigkeit des Gedankens hinter dem Akt des Atmens und überhaupt nicht in der Aufblähung oder Entleerung des Brustkastens. Das Ganze wird in dem Aphorismus: „Energie folgt dem Gedanken“ zusammengefaßt. Die Hauptwirkung sollte auf die ätherischen Nadis ausgeübt werden, die den Nerven zugrundeliegen, und nicht auf die blasebalgartige Tätigkeit der Lungen.

Jüngerschaft im Neuen Zeitalter I, 05-356

Die Universalreligion

Aus dem Dunkel der Frühzeit sind die großen Religionen entstanden. Obgleich diese Religionen in ihren Theologien und Kultusformen verschiedenartig sind, obgleich sie sich in der Organisation und im Zeremoniell voneinander unterscheiden und verschiedene Methoden anwenden, um die Wahrheit praktisch zu verwerten, so haben sie doch drei grundlegende Aspekte gemeinsam:

1. Ihre Lehren über das Wesen Gottes und des Menschen.

2. Ihre Symbole.

3. Bestimmte grundlegende Lehrsätze.

Wenn die Menschen das erkennen und wenn es ihnen gelingt, jenes innere, bedeutsame Wahrheitsgefüge herauszuschälen, das in allen Himmelsstrichen und bei allen Rassen dasselbe ist, dann wird daraus die Universalreligion entstehen, die Eine Kirche, jene eine, wenn auch nicht gleichförmige Annäherung an Gott, welche die Wahrheit der Worte des Paulus bestätigen wird: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und ein Vater unser aller, der da ist über allen und durch alle und in euch allen.“ Lehren über Gott werden vergehen in dem Wissen um Gott; Doktrinen und Dogmen werden nicht länger als notwendig erachtet werden, denn der Glaube wird auf Erfahrung gegründet sein, und Autorität wird der persönlichen Wahrnehmung und Einschätzung der Wirklichkeit weichen. Die Macht der Kirche über die Gruppe wird durch die Macht der in den Menschen erwachten Seele verdrängt werden; das Zeitalter der Wunder und der Streitgespräche über das Wie und Warum der Wunder mit der daraus folgenden Skepsis oder

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Ungläubigkeit wird dem Verständnis für die Naturgesetze weichen, die in den übermenschlichen Reichen und auf den übernatürlichen Stufen des Evolutionsganges herrschen. Der Mensch wird sein göttliches Erbe antreten und sich selbst als Sohn des Vaters erkennen mit allen göttlichen Merkmalen, Kräften und Fähigkeiten, die zu ihm gehören, weil sie seine göttliche Mitgift sind. Aber was erleben wir in der Zwischenzeit? Ein Zerbrechen der alten, festgelegten Traditionen, eine Auflehnung gegen die Autorität, sei es die der Kirche, eines Dogmas, einer Doktrin oder einer Theologie; eine Neigung zur Selbstbestimmung kommt auf, die alten Regeln werden über Bord geworfen und die alten Schranken für das Denken sowie die Unterschiede beseitigt, die zwischen Rassen und Glaubensbekenntnissen bestehen.

Daher gehen wir jetzt durch ein Zwischenstadium des Chaos und des Zweifels, der Empörung und daraus folgender, scheinbarer Zügellosigkeit. Die Methoden der Wissenschaft — Forschung und Analyse, Vergleich und Schlußfolgerung — werden auf religiöse Glaubensdinge angewendet. Die Geschichte der Religionen, die Begründung der Lehren, der Ursprung der Ideen und das Wachstum der Gottesidee werden der Forschung und dem Studium unterworfen. Dies führt zu vielen Streitereien und es werden die alten, festgefahrenen Ideen über Gott, die Seele, den Menschen und sein Schicksal verworfen. Es hat immer Geistesrichtungen mit verschiedenen Ideen und Methoden gegeben, und die sechs Schulen der indischen Philosophie haben praktisch alle grundlegenden Vermutungen des Menschen über Warum und Weshalb der sichtbaren Schöpfung umfaßt. Vom Westen ist den Lehrern dieser sechs theoretischen Schulen wenig Neues hinzugefügt worden, obgleich das westliche Denken mit seiner großen Begabung für wissenschaftliche und technische Methoden die Ideen ausgearbeitet und die sechs Theorien in eine Vielfalt kleinerer Lehrsätze zergliedert hat. Aus dem Gemisch von Ideen, Theorien, Spekulationen, Religionen, Kirchen, Kulten, Sekten und Organisationen treten zwei Hauptrichtungen hervor: die eine ist schließlich zum Aussterben verurteilt, die andere soll erstarken und wachsen, bis sie ihrerseits jene (für uns) endgültige

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Formulierung der Wahrheit ins Leben rufen wird, die für das nächste Zeitalter genügt und den Menschen auf eine hohe Zinne des Tempels und auf den Berg der Einweihung führen wird. Diese zwei Richtungen sind:

1. Jene, die rückwärts auf die Vergangenheit schauen, den alten Methoden, den veralteten Theologien und den reaktionären Ablehnungsmethoden zur Auffindung der Wahrheit anhängen. Es sind die Leute, die eine Autorität anerkennen, sei es nun die eines Propheten, einer Bibel oder einer Theologie. Es sind jene, die den Gehorsam gegenüber einer von außen auferlegten Autorität dem selbstauferlegten Geführtwerden durch die erleuchtete Seele vorziehen. Es sind die Anhänger einer Kirche und einer Regierung, die sich zwar durch reine Hingabe und Liebe auszeichnen, dabei aber die göttliche Intelligenz, mit der sie begabt sind, nicht erkennen wollen. Ihre Hingabe, ihre Liebe zu Gott, ihr strenges, aber irregeleitetes Gewissen, ihre Intoleranz kennzeichnen sie als gläubige Gefolgsleute, aber sie sind geblendet durch ihre eigene Hingabe, und ihr geistiges Wachstum wird durch ihren Fanatismus beeinträchtigt. Sie gehören meistens der älteren Generation an und für sie liegt die Hoffnung in ihrer Hingabe und in der Tatsache, daß die Evolution selbst sie weiter in die zweite Gruppe führen wird.

Die erste Gruppe ist mit der Kristallisierungsarbeit betraut, die zur vollständigen Zerstörung der alten Formen führen wird; es ist ihr die Aufgabe gestellt, die alten Wahrheiten genau zu umgrenzen, so daß das Denken der Menschen geklärt wird und die unwesentlichen und die wesentlichen Dinge erkannt werden als das, was sie sind; der Formulierung von Dogmen werden grundlegende Ideen derart gegenübergestellt, daß man das Grundsätzliche erkennen und darum die zweitrangigen, unwichtigen Anschauungen zurückweisen wird; denn nur das Grundsätzliche, Ursächliche wird dem kommenden Zeitalter von Wert sein.

2. Die zweite Gruppe ist bis jetzt noch eine sehr kleine Minderheit, die aber ständig wächst. Es ist jene innere Gruppe der Gott liebenden Menschen, der intellektuellen Mystiker, derer, welche die Wirklichkeit kennen, die zu keiner Religion oder Organisation gehören, sich aber als Mitglieder der Universalkirche und als „Zueinander gehörige Glieder“ betrachten. Sie finden sich aus allen Völkern, Massen und Menschentypen zusammen; es ist unter ihnen

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jede Farbschattierung und Geistesrichtung vertreten, und doch sprechen sie dieselbe Sprache, lernen dieselben Symbole, gehen denselben Pfad, lehnen dieselben Unwichtigkeiten ab und haben dieselbe Substanz wesentlicher Glaubensideen herausgeschält. Sie erkennen einander; sie verehren die geistigen Führer aller Rassen in gleichem Maß und benutzen mit gleicher Freiheit die Bibel der anderen. Sie bilden den subjektiven Hintergrund der neuen Welt; sie stellen den geistigen Kern der kommenden Weltreligion dar; sie sind das vereinende Prinzip, das schließlich die Welt erlösen wird.

Eine Abhandlung über weiße Magie oder der Weg des Jüngers, 04-326

Ebbe und Flut

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Das innere Leben, das sich während der zyklischen Zwischenpausen allmählich entwickelte, wird zum beherrschenden Faktor. Der Mensch wird allmählich in seiner Einstellung subjektiv, und die Äußerung auf der physischen Ebene ist dann vornehmlich das Ergebnis des inneren Gedankenlebens, und nicht so sehr die Rückwirkung auf Geschehnisse der physischen Ebene und der Ruhelosigkeit der Begierdennatur.

2. Die Ebbe und Flut des täglichen Lebens in einer speziellen Inkarnation weisen ebenfalls ihre Zwischenpausen auf, und diese muß der Aspirant erkennen lernen und nutzbar machen. Er muß den Unterschied zwischen intensiver, hinausgehender Tätigkeit, Perioden des Zurückgezogenseins, und Zwischenpausen verspüren, in denen das äußere Leben zum Stillstand gekommen und frei von aktivem Interesse erscheint. Dazu muß er kommen, wenn er sich die Gelegenheit völlig zunutze machen will, welche ihm die Lebenserfahrung vermitteln soll. Das ganze Leben ist weder eine einzige, wilde Anstrengung, sich dauernd in die Arbeit zu stürzen, noch besteht es aus einem immerwährenden Ausruhen. Es hat normalerweise seinen eigenen Rhythmus, seine Schwingung und seinen eigenen, besonderen Pulsschlag. In manchen Lebensläufen ändert sich der Rhythmus und die Art der Tätigkeit alle sieben Jahre, in anderen alle neun oder elf Jahre. Wieder andere arbeiten mit kürzeren Zyklen, und bei ihnen folgen auf Monate rastlosen Bemühens Monate scheinbaren Ruhens. Einige Menschen wieder sind so feinfühlig organisiert, daß inmitten der Arbeit solche Ereignisse und Umstände eintreten, daß sie zu einer zeitweiligen Zurückgezogenheit gezwungen werden, in der sie die gelernten Lektionen der vorangegangenen Arbeitsepoche sich zu eigen machen.

Zwei Gruppen von Menschen arbeiten anscheinend ohne Ebbe und Flut auf der physischen Ebene und zeigen einen stetigen Trieb zur Arbeit. Das sind einmal die wenig entwickelten Menschen, die auf der Evolutionsleiter so tief unten stehen, (wenn man es so ausdrücken darf), und die so überwiegend sinnlich sind, daß es bei ihnen keine mentale Reaktion auf äußere Umstände gibt, sondern nur einen Widerhall auf den Ruf physischer Bedürfnisse, und die Verwendung der Zeit zur Befriedigung der Begierden. Dies hört niemals auf, und darum gibt es bei ihnen wenig, was in ihrer Lebensäußerung als zyklisches Geschehen bezeichnet werden könnte.

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Zu ihnen gehören der nicht denkende Schwerarbeiter und der unzivilisierte Mensch. Dann gibt es jene Männer und Frauen, die auf der entgegengesetzten Waagschale stehen und auf der Leiter des Fortschritts verhältnismäßig hoch gestiegen sind. Diese haben sich von dem rein Physischen so frei gemacht, und sind sich des Wesens der Begierde so sehr bewußt, daß sie gelernt haben, eine Tätigkeit ohne Unterbrechung fortzuführen, da sie sich auf Disziplin und Dienst gründet. Sie arbeiten bewußt in Übereinstimmung mit Zyklen und verstehen etwas von deren Wesen. Sie kennen die göttliche Kunst, ihr Bewußtsein in das Bewußtsein der kontemplierenden Seele zurückzuziehen, und sie können ihre Arbeit in der Menschenwelt meistern und weise leiten. Das ist die Lektion, die alle Jünger lernen, und das ist die große Errungenschaft der Eingeweihten und der geschulten Menschheitsdiener.

Dienst ist für die Meister das Ein-und-Alles ihrer Existenz – der Dienst am Evolutionsplan

Aufruf zum Dienst

von Meister —

Wenn der Ruf zum Dienst erklingt, tut jeder ernste Jünger gut daran, diese Chance mit beiden Händen zu ergreifen. Selten wird dieser Ruf wiederholt, die Meister haben wenig Zeit zu verschwenden. „Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“ soll heißen: „Viele sind berufen, aber nur wenige reagieren darauf.“

So ist es mit dem Großen Dienst; nur die Gewählten begreifen, welch einen Segen die Chance, dem Plan zu dienen, mit sich bringt. Dienst ist die heilige Pflicht, die es dem Jünger ermöglicht, seinen Aufenthalt auf dieser Erde um viele Leben zu verkürzen. Das wissen viele, und doch scheuen sie schon vor der leichtesten Aufgabe zurück. Viele vergessen das Versprechen, das sie vor langer Zeit gegeben haben, und tun das innere Unbehagen mit einem Achselzucken ab. Nicht ohne Grund schütteln die Meister traurig den Kopf und begeben sich von neuem auf die Suche unter den wartenden Lichtern.

Nicht alle, die dienen, sind sich dessen bewußt. Ihre Reaktion auf den Ruf der Seele oder der Meister ist so instinktiv, daß sie sich kühn hineinstürzen, ohne lange darüber nachzudenken. Sie sind so dezentralisiert, daß das, was die Welt braucht, ihr einziges Anliegen ist. Sie dienen mit jedem Atemzug, doch gemessen an dem, was diese Zeit braucht, sind es nur allzu wenige. Wir auf der inneren Seite halten nach jenen Ausschau, die etwas über den Plan wissen und gesunde Prioritäten setzen. Wir suchen die, deren Eifer groß ist und deren Herz in Liebe und Opferbereitschaft erglüht.

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Solch tapfere Leute begrüßen wir in unserer Mitte und bieten ihnen mit Freuden ein Betätigungsfeld an. Dann ziehen wir uns zurück und schauen zu. Und immer wieder geraten die ersten Gehversuche bald ins Stocken. Nur allzuoft schlägt all ihre frohe Erwartung in Langeweile und in Zweifel um, ihre hochgesteckten Ziele schrumpfen und vergehen.

Mangelndes Vertrauen spielt die große Rolle bei diesem traurigen Geschehen. Ohne Vertrauen läßt sich nichts von Dauer schaffen, und aus Mangel an dieser einen Qualität haben viele aussichtsreiche Jünger versagt. Nicht umsonst haben die Lehren zu allen Zeiten betont, wie notwendig das Vertrauen ist, das als eigentliches Herz des Dienstes gilt.

Gewiß bedeutet Vertrauen nicht ein blindes Annehmen und blinden Glauben. Im Gegenteil, ein wirkliches Vertrauen, echter Glaube, erwächst nur dort, wo die Intuition, die Stimme der Seele, ein inneres Wissen anspricht und ungeachtet aller Widerreden das Herz euch sagt: das ist wahr. Sobald dieser Augenblick kommt, haltet diese neu gefundene Wahrheit ganz fest und „steht zu ihr“. Wenn euch die Stimmen des Neides und Zweifels überfallen, steht weiter gelassen zu eurer Aufgabe. Denkt daran, daß eure Gedanken euch gehören und niemand das Recht hat, euch vorzuschreiben, was ihr denken sollt.

Pflegt einen weisen Rhythmus, der möglich macht, daß euer Dienst sich ganz natürlich ausweiten kann. Vermeidet es, nur dann und wann zu dienen, denn dabei geht jeder Schwung verloren. Vergeßt nicht, daß ihr hier seid, um dem Plan zu dienen. Das — wenn ihr es doch nur wüßtet — ist der Wunsch eurer Seele. Sobald ihr mit der Seele Kontakt aufnehmt, beginnt die Objektivierung der Erfahrung. Die Seele hat keine Präferenzen, keine Wünsche; sie bleibt nur mit dem in Verbindung, was ihrem Zweck entspricht, und dieser ist, dem Plan der Evolution in höchstmöglichem Maß zu dienen.

Die Zeit wird kommen, in der unter dem Einfluß der Meister ein Studien- und Erfahrungsgebiet angeboten wird, mit dessen Hilfe diejenigen, die jetzt an der Schwelle stehen, in das Reich des Lichtes und des Wissens eintreten und erkennen werden, was sie sind. Viele erwarten den Anbruch einer neuen Epoche, deren Manifestation die Strukturen ihrer Zeit von Grund auf verändern wird. Diene und reife, Dienen und Reifen sollte der Grundton unseres Lebens sein.

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Maitryas Mission, Band II, mm2-612

Das Beschreiten des Weges

Das Beschreiten des Weges

Bei der Besprechung der vierzehnten Regel haben wir gesehen, daß jetzt der kritische Punkt der äußeren Gestaltung im magischen Wirken vom Aspiranten erreicht worden ist. Er ist bemüht, ein magischer Schöpfer zu werden und zweierlei zu vollbringen:

1. Sein Instrument oder seinen Kontaktmechanismus neu zu erschaffen, so daß der Sonnenengel ein Manifestationsmittel hat, das der Wirklichkeit angemessenen Ausdruck verleihen kann.

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Dazu gehört, wie schon bemerkt, der rechte Typus, die rechte Qualität, Stärke und Geschwindigkeit.

2. Jene hilfreichen Ausdrucksformen in der Außenwelt zu erschaffen, vermittels derer die darin verkörperte Energie — die durch die neuerschaffenen Hüllen strömt — der Welt dienen kann.

Im ersten Fall befaßt sich der Aspirant mit sich selbst, da er in seinem eigenen Kreis arbeitet und so lernt, sich selbst zu erkennen, sich umzuwandeln und seinen äußeren Formaspekt neu aufzubauen. Im anderen Fall lernt er, ein Diener der Menschheit zu sein und jene Ausdrucksformen zu bilden, welche die neuen Ideen, Prinzipien und Vorstellungen verkörpern, die unseren Menschheitsfortschritt beherrschen und abrunden müssen.

Denkt daran, daß kein Mensch ein Jünger ist, so wie ein Meister dieses Wort versteht, wenn er nicht ein Pionier ist. Wenn die geistige Wahrheit einen Widerhall findet, wenn eine wirkliche Freude an vorwärtsweisenden Idealen, eine frohe Zustimmung zu den Wahrheiten des Neuen Zeitalters vorhanden ist, — so macht doch all dies noch keinen Jünger aus. Wäre es so, dann wären die Reihen der Jünger schnell aufgefüllt, doch das ist leider nicht der Fall. Die Fähigkeit, ein Verständnis für die nächsten Erkenntnisse zu gewinnen, die dem menschlichen Denken bevorstehen, — sie kennzeichnet den Aspiranten, der vor der angenommenen Jüngerschaft steht; die aus der Feuerprobe anstrengender innerer Erfahrung erarbeitete Fähigkeit, das unmittelbare Zukunftsbild zu erschauen und jene Grundideen zu erfassen, die das Denkvermögen notwendigerweise einhüllen muß, — das gibt einem Menschen das Recht ein anerkannter Mitarbeiter am Plan zu sein (anerkannt von den Großen, wenn auch nicht anerkannt von der Welt). Wenn man die richtige geistige Einstellung und Aspiration erreicht hat und diese beharrlich beibehält, ganz gleich welche Verwirrungen etwa im Leben auf der physischen Ebene bestehen -, dann zeigt eben das jenen Beobachtern, welche nach Helfern suchen, an, daß hier ein Mensch ist, dem man einen kleinen Aspekt des von ihnen unternommenen Werkes anvertrauen kann; die Fähigkeit, das niedere Selbst zu vergessen und untertauchen zu lassen in der Aufgabe, die Welt unter dem Seelenimpuls zu leiten, –

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sie hebt einen Menschen aus den Reihen der strebenden Mystiker heraus in die Reihen der praktisch und dennoch mystisch denkenden Okkultisten.

Es ist eine ausgesprochen praktische Arbeit, zu der wir uns verpflichtet haben; sie hat dazu solche Ausmaße, daß sie die ganze Aufmerksamkeit und Zeit eines Menschen, selbst sein ganzes Gedankenleben, in Anspruch nimmt; und sie bringt ihn zu einer wirksamen Entfaltung seiner Persönlichkeitsaufgabe, die ihm durch karmische Begrenzungen und ererbte Neigungen auferlegt wird sowie zu einer beharrlichen Hinwendung zu magisch-schöpferischem Wirken. Jüngerschaft ist eine Synthese von harter Arbeit, intellektueller Entfaltung, beharrlichem geistigem Streben und geistiger Orientierung; dazu kommen die seltenen Qualitäten positiver Harmlosigkeit und des offenen Auges, das nach Belieben in die Welt der Wirklichkeit hineinschaut.

Es sollten dem Jünger bestimmte Überlegungen nahegebracht werden, die wir um der Klarheit willen aufzählen wollen. Um ein Adept zu werden, muß der Jünger folgenden Geboten gehorchen:

1. Erforsche den Weg.

2. Gehorche den inneren Impulsen der Seele.

3. Kümmere dich nicht um weltliche Überlegungen oder Rücksichten.

4. Führe ein Leben, das anderen als Beispiel dient.

Diese vier Forderungen mögen beim ersten oberflächlichen Lesen leicht erfüllbar klingen; wenn man sie jedoch sorgfältig studiert, so wird es deutlich werden, warum ein Adept „die seltene Blüte einer Generation suchender Menschen“ ist. Wir wollen einmal diese vier Punkte nacheinander durchgehen.

1. k Erforsche den Weg. /k Von einem Meister wird uns gesagt, daß aus einer ganzen Generation Suchender vielleicht nur ein Adept hervorgeht. Warum sollte das so sein? Aus zwei Gründen:

Erstens ist der wahre Forscher ein Mensch, der über die Weisheit seiner ganzen Generation verfügt, der das Beste ist, was seine eigene Zeit hervorgebracht hat,

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und der doch unbefriedigt bleibt, denn sein inneres Verlangen nach Weisheit ist ungestillt. Es wird ihm klar, daß es etwas Wichtigeres gibt als alles Wissen, etwas, das größere Bedeutung hat als alle Erfahrung seiner eigenen Epoche und Zeit zusammengenommen. Er erkennt eine weitere Stufe und versucht, sie zu ersteigen, um etwas zu gewinnen, das er zu dem bereits von seinen Gefährten erworbenen Anteil hinzufügen kann. Nichts befriedigt ihn, ehe er nicht den Weg findet, nichts stillt das Verlangen im Zentrum seines Wesens, als nur das, was er im Haus seines Vaters findet. Er wird zu dem, was er ist, weil er alle geringeren Wege erprobt und sie als unzureichend befunden hat, weil er vielen Führern gefolgt ist und herausfand, daß sie „blinde Führer der Blinden“ waren. Es bleibt ihm nichts übrig, als sein eigener Führer zu werden und seinen Weg nach Hause allein zu finden. In der Einsamkeit, die das Los eines jeden wahren Jüngers ist, wird jene Selbsterkenntnis und jenes Selbstvertrauen geboren, die ihn wiederum befähigen, ein Meister zu werden. Diese Einsamkeit ist nicht einer absondernden Geisteshaltung, sondern den Bedingungen des Weges selbst zuzuschreiben. Die Aspiranten müssen diesen Unterschied sorgfältig beachten.

Zweitens ist der echte Forscher ein Mensch, dessen Mut von jener seltenen Art ist, die den Besitzer befähigt, aufrecht dazustehen und seinen eigenen klaren Ton inmitten der Unruhe der Welt erklingen zu lassen. Es ist ein Mensch, dessen Auge so geschult ist, daß es über die Nebel und Dünste der Erde hinweg auf jenes Zentrum des Friedens schauen kann, das über allen irdischen Geschehnissen steht; er hat das geübte, aufmerksame Gehör, das (nachdem er einmal das Flüstern der Stimme der Stille vernommen hat) auf diese hohe Schwingung abgestimmt bleibt und somit allen geringeren, verlockenden Stimmen gegenüber taub ist. Auch das bringt wieder Einsamkeit und führt zu jenem Abstand, den alle weniger entwickelten Seelen in der Gegenwart von Menschen spüren, die ihnen voraus sind.

Eine paradoxe Situation entsteht durch die Tatsache, daß dem Jünger gesagt wird, er solle den Weg erforschen, und doch ist niemand da, der ihm etwas darüber sagen würde. Diejenigen, die den Weg kennen, dürfen nicht sprechen, denn sie wissen, daß der Pfad vom Aspiranten erbaut werden muß, so wie die Spinne aus dem Mittelpunkt ihres eigenen Wesens heraus ihr Netz spinnt.

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So entfalten sich in jeder Generation nur jene Seelen zu Adepten, die allein durch die „Kelter des göttlichen Zornes geschritten sind“, oder die — mit anderen Worten — ihr Karma allein abgetragen und einsichtsvoll die Aufgabe übernommen haben, den Pfad zu betreten.

2. k Gehorche den inneren Impulsen der Seele. /k Die Lehrer der Menschheit unterrichten den angehenden Eingeweihten wohlweislich darin, das Unterscheidungsvermögen zu üben; sie schulen ihn in der mühsamen Aufgabe, zu unterscheiden zwischen:

a. Instinkt und Intuition.

b. Höherem und niederem Denken.

c. Verlangen und geistigem Impuls.

d. Egoistischem Streben und göttlichem Antrieb.

e. Dem von den Lunarherren ausgehenden Drang und der Entfaltung des Sonnenherrn.

Es ist keine leichte oder schmeichelhafte Aufgabe, sich selbst zu ergründen und zu entdecken, daß vielleicht sogar der Dienst, den wir geleistet haben, und unser Verlangen, zu forschen und zu wirken, im letzten Grund einer egoistischen Haltung entsprang und auf dem Wunsch nach Befreiung oder auf der Unlust beruht, eintönige Alltagspflichten zu erfüllen. Derjenige, der den Impulsen der Seele gehorchen will, muß im Zusammenfassen von Tatsachen genau sein und eine Wahrhaftigkeit gegen sich selbst pflegen, was heute wirklich noch sehr selten ist. Er sollte sich sagen: „Ich muß gegen mein eigenes Selbst wahrhaftig sein“, und er soll auch in den Augenblicken seines Lebens, die ihm allein gehören, und in der Verschwiegenheit seiner eigenen Meditation keinen Fehler beschönigen, noch sich in irgend einer Hinsicht entschuldigen wollen. Er soll lernen, seine eigenen Worte, Taten und Motive prüfend zu erkennen und die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Nur so wird er sein geistiges Unterscheidungsvermögen schulen und die Wahrheit in allen Dingen erkennen lernen. Nur so kann er zur Wirklichkeit durchdringen und das wahre Selbst erkennen.

3. k Achte nicht auf die gescheiten Überlegungen weltlicher Wissenschaft und weltlicher Klugheit. /k Wenn der Aspirant in sich die Fähigkeit heranbilden muß, allein zu gehen, wenn er die Kraft entwickeln muß, in allen Dingen wahrhaftig zu sein, so ist es für ihn ebenso nötig, seinen Mut auszubilden.

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Er wird der Meinung der Welt konsequent entgegentreten müssen, auch wenn sie sich in der besten Weise äußert; und dies wird immer wieder notwendig sein. Er muß lernen, das Rechte zu tun, so wie er es sieht und erkennt, ohne Rücksicht auf die Meinung auch der größten und meistgenannten Menschen der Erde. Er muß sich auf sich selbst verlassen und den Beschlüssen folgen, die er selbst in den Augenblicken geistiger Kommunion und Erleuchtung gefaßt hat. Gerade hier versagen so viele Aspiranten. Sie handeln nicht nach bestem Wissen; es gelingt ihnen nicht, bis ins einzelne so zu handeln, wie es ihnen die innere Stimme sagt; sie lassen bestimmte Dinge ungetan, zu denen sie in ihren Meditationsaugenblicken veranlaßt wurden, und sprechen nicht das Wort, das ihr geistiger Ratgeber, das Selbst, sie zu sprechen drängt. Aus der Anhäufung all dieser unerfüllten Einzelheiten ergeben sich dann die großen Mißerfolge.

Es gibt im Leben eines Jüngers keine Lappalien, und ein ungesprochenes Wort, eine nicht ausgeführte Handlung können sich als der Umstand erweisen, der den Menschen von der Einweihung abhält.

4. k Führe ein Leben, das anderen zum Beispiel dient. /k Ist es nötig, darauf näher einzugehen? Es scheint, als ob dies nicht sein müßte, und doch versagen die Menschen auch hier wieder. Was ist überhaupt Gruppendienst? Einfach das beispielhafte Leben. Derjenige Mensch ist der beste Repräsentant der Ewigen Weisheit, der jeden Tag, auf dem Platz, wo er steht, das Leben des Jüngers führt; er führt es nicht dort, wo er seiner Meinung nach stehen sollte. Vielleicht ist die Feigheit überhaupt die Eigenschaft, aus der die meisten Mißerfolge bei den Aspiranten zur Meisterschaft entspringen. Die Menschen versäumen es, sich dort zu bewähren, wo sie stehen, weil sie irgendeinen Grund finden, der ihnen die Meinung eingibt, sie müßten an anderer Stelle stehen. Die Menschen laufen, meist ohne das klar zu erkennen, vor Schwierigkeiten, vor unharmonischen Zuständen, vor problematischen Situationen und vor Umständen davon, die nach Taten höherer Art verlangen und die dazu bestimmt sind, aus dem Menschen das Beste, das in ihm liegt, herauszuholen, vorausgesetzt, daß er durchhält. Die Menschen fliehen vor sich und anderen, anstatt einfach k ihr Leben zu leben. /k

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Der Adept spricht kein Wort, das verletzen, Schaden anrichten oder verwunden könnte. Darum hat er die Bedeutung der Sprache inmitten der Unruhen des Lebens lernen müssen. Er verschwendet keine Zeit an Selbstbedauern oder Selbstrechtfertigung, denn er weiß: das Gesetz hat ihn dorthin gestellt, wo er ist, und wo er am besten dienen kann; er hat gelernt, daß die Schwierigkeiten immer vom Menschen selbst verschuldet und das Ergebnis seiner eigenen gedanklichen Einstellung sind. Wenn ihn der Wunsch ankommt, sich selbst zu rechtfertigen, so erkennt er dies als eine Versuchung, die er meiden muß. Er erkennt, daß jedes gesprochene Wort, jede vollzogene Tat, jeder Blick und jeder Gedanke eine Wirkung zum Guten oder Bösen auf die Gruppe ausübt.

Wird daraus nicht deutlich, warum so wenige Erfolg haben und so viele versagen?

Eine Abhandlung über weisse Magie oder der Weg des Jüngers, 04-582

Einweihungsprozeß

Alle Meditationsformen, die in den letzten 2.000 Jahren des Fischezeitalters entwickelt wurden und deshalb unter dem Einfluß der Fische-Energie standen, waren individuelle Meditationen. Sie wurden entwickelt, um die Frau oder den Mann mit der Seele in Kontakt zu bringen, der schließlich zum Einssein mit der Seele führt. Wenn durch Meditation ein Kontakt mit der Seele entsteht, kann diese ihren Träger — den Mann oder die Frau in Inkarnation — stimulieren und schließlich von ihm Besitz ergreifen. Durch Meditation wird zwischen der Persönlichkeit und der Seele ein Kanal gebaut, den man ‘Antahkarana’ nennt. Gleichzeitig baut die Seele selbst am gleichen Kanal zu ihrem Spiegelbild, der Persönlichkeit, hinab. Dieser Prozeß beginnt kurz vor der ersten Einweihung.

Fünf große Krisenpunkte bezeichnen den evolutionären Prozeß. Es sind die fünf Einweihungen zur Meisterschaft oder Befreiung. Danach muß man sich nicht mehr auf diesem Planeten inkarnieren. Diese fünf großen Bewußtseinserweiterungen, das nämlich sind die Einweihungen, umfassen lediglich die letzten Lebensrunden auf der Evolutionsreise vom Tiermenschen zum vollkommenen, befreiten Meister.

Buchstäblich Hunderttausende von Inkarnationserfahrungen sind nötig, bevor man die erste Einweihung erreichen kann. Wenn die Seele ihren Träger nahe an dieses Ereignis herankommen sieht, etwa vier oder fünf Leben davor, bringt sie

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ihn — den Mann oder die Frau auf der physischen Ebene — mit irgendeiner Form von Meditation in Berührung.

Anfangs mag dieser Kontakt nur sehr schwach sein; man hört von Meditation, versucht es ein wenig und verbringt ein bißchen Zeit damit. Schließlich kommt ein Leben, in dem man einen beträchtlichen Teil seiner Zeit irgendeiner Form der Meditation widmet. Nicht die Persönlichkeit sucht die Meditation, sondern der Seelenimpuls zwingt sie in diesen Prozeß. So gesehen ist die Seele der erste Meister.

Große Bewußtseinserweiterung

Wenn man, nach mehreren ernsthaften Meditationsversuchen während einiger Leben, für die erste Einweihung bereit ist, schreitet der Meister ein, führt, prüft und bereitet einen auf diese außerordentliche Bewußtseinserweiterung vor.

Zur Zeit befinden sich etwa 800.000 Menschen in Inkarnation, die die erste Einweihung erreicht haben (natürlich sind viele jetzt nicht inkarniert, die auch schon durch diese Erfahrung gegangen sind). Auf fünf Milliarden Menschen bezogen sind das nicht viele. Nur etwa 240.000 Menschen haben die zweite und 2.000 bis 3.000 die dritte Einweihung erreicht und nur ungefähr 450 Eingeweihte vierten Grades leben gegenwärtig auf der Erde. Das sind wirklich wenige. Interessanterweise beschleunigt sich aber jetzt dieser Prozeß außerordentlich. Mehrere Millionen Menschen stehen heute an der Schwelle zur ersten Einweihung. Deshalb kehrt die Hierarchie erstmals seit Jahrtausenden in die Alltagswelt zurück — die Jünger ziehen sie magnetisch in die Welt.

Der Probejünger wird von einem Meister beobachtet und geprüft; in dieser Phase befindet er sich am Rande des Ashrams eines Meisters. Wenn er diese Prüfungen bestanden hat und bereit ist, kommt er durch das Tor der Einweihung in die Hierarchie und wird ein Jünger. Das ist der Beginn einer Reise, von der es kein Zurück mehr gibt, die Boote hinter dem Jünger werden verbrannt. Er kann viele Leben damit verschwenden, sich selbst zurückzuhalten, aber er kann nicht mehr gegen den Strom der Evolution anschwimmen.

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Dann beginnt die Phase, in der ein großer Kampf zwischen seiner Seele und seiner Persönlichkeit ausgetragen wird. Der Mann oder die Frau auf der physischen Ebene wird zum Kampfplatz der Besitzansprüche zwischen dem Wunschleben der Persönlichkeit und dem geistigen Leben der Seele. Obwohl das einige Zeit dauern kann, wird die Seele schließlich siegen, weil sie stärker ist.

Der Kampf kann viele Leben dauern. Im Durchschnitt liegen sechs bis sieben Leben zwischen der ersten und zweiten Einweihung. Anfangs ist es ein hartes und oft auch schmerzvolles Ringen.

Der Jünger spürt wie er an allen Fronten angeregt wird — mental, emotional und physisch. Seine drei Körper werden wie nie zuvor stimuliert. Der Kampf muß gleichzeitig an allen diesen Fronten ausgetragen werden. Kaum meint er mit dem ‘Feind’ an der physischen Front fertig zu werden, sieht er sich an der emotionalen Front angegriffen. Er bietet alle Kräfte seiner Persönlichkeit auf, den ‘Feind’ zurückzuschlagen und wieder spürt er, daß ihn auf der mentalen oder physischen Ebene Kräfte von hinten angreifen. Durch den Kampf völlig erschöpft, gibt er schließlich nach, er akzeptiert das Gebot seiner Seele.

Er wird ein akzeptierter (akzeptierender) Jünger, der näher am Zentrum des Ashrams eines Meisters arbeitet. Dann entdeckt er, daß er nicht allein ist und nie allein war, wie er meinte, sondern daß er wirklich Teil einer Gruppe ist, deren Mitgliedern er auf der physischen Ebene wahrscheinlich noch nie begegnet ist. Er arbeitet nicht unmittelbar unter der Aufsicht eines Meisters, sondern unter der eines Jüngers von einem der Meister. Er spürt, daß der Kampf immer heftiger wird, bis er einen Punkt etwa in der Mitte zwischen der ersten und zweiten Einweihung erreicht.

Ein kleiner Lichtschimmer

Plötzlich sieht er einen kleinen Lichtschimmer am Ende eines langen Tunnels. Er stellt fest, daß der physische Körper seinem Willen gehorcht und er den widerspenstigsten aller Körper, seinen Astralkörper, zu beherrschen beginnt. Er findet das sehr ermutigend und sieht einen Weg vor sich. Er kämpft immer noch, aber er erkennt, daß Hoffnung besteht, wenn er durchhält.

Dann wird er zur Gruppenarbeit mit anderen Menschen zusammengebracht. Er stellt fest, daß die anderen die gleichen Erfahrungen, die gleichen Schwierigkeiten haben, und er erkennt diese als Teil der Überwindung seiner Unwissenheit, Verblendung und Illusion und sieht die Welt, die Realität und sich selbst so, wie sie wirklich sind.

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Um das alles zu bewirken, erhielt die Menschheit die Meditation. Es ist ein katalytischer Prozeß, durch den die Seele eine Beziehung zu ihrem Spiegelbild herstellen kann. Sie nimmt ihren Träger, mental, astral und physisch immer mehr in Besitz und macht ihn zu einem zusehends klareren Spiegelbild ihrer selbst. Denn es ist ihr Ziel, ihren Träger zu einem vollkommenen Spiegelbild von sich zu machen. Sie tut dies durch Erhöhung der Schwingungsrate jedes einzelnen Körpers, des physischen, astralen und mentalen, bis alle drei mehr oder weniger mit der gleichen Frequenz schwingen.

Die Seele hat es nicht eilig. Sie hat unendlich lange Zeit, weil sie überhaupt nicht in Zeitbegriffen denkt. Nur die Persönlichkeit hat das Gefühl, es sei ein endloser Prozeß. Uns scheint, daß wir nie frei werden von der physischen, astralen und mentalen Herrschaft, die uns hindert, uns als Seele zum Ausdruck zu bringen, als geistiges Wesen, das wir sind, dessen geistige Intelligenz, Liebe und Wille sich offenbaren und strahlen. Wenn diese Stufe schließlich erreicht ist, kann die dritte große Bewußtseinserweiterung stattfinden.

Das ist ein Wendepunkt im evolutionären Prozeß. Aus der Sicht der Meister ist dies die erste Einweihung. Sie sehen die ersten zwei nur als Vorbereitung für diese erste wahre Seeleneinweihung, bei der die Frau oder der Mann zum ersten Mal völlig von der Seele durchdrungen und daher wirklich göttlich wird. Bis dahin ist die Göttlichkeit zwar vorhanden, aber nur latent.

Maitryas Mission, Band II, mm2-475

Laya-Yoga

Laya Yoga

Der tibetanische Meister Djwhal Khul, durch den die Welt die Alice Bailey Lehren erhielt, schrieb über eine besondere Form des Laya-Yoga — den Yoga der Energien — und erwähnte, daß dieser im kommenden Wassermannzeitalter bekannt wird.

Transmissions-Meditation ist diese besondere Form des Laya-Yoga. Sie ist eine Kombination von zwei Yoga-Arten: Laya-Yoga, dem Yoga der Energien und Karma-Yoga, dem Yoga des Dienstes. Sie führt die beiden wirksamsten Entwicklungsmethoden, die man kennt, zusammen.

Maitreyas Mission, Band II, mm2-474

Die Wirkung von D.K.s Lehren aus der Sicht B. Cremes

Bücher, etwa die von Alice Bailey oder die Agni Yoga Lehren, sind nicht einfach dazu da, über die abstrakten Bezüge und Strukturen zu belehren, die vielen Leuten ein Rätsel sind und die man sich so schwer merken kann (obwohl es wichtig ist, sie zu kennen). Meister D.K. versucht durch die Alice Bailey Lehren die Intuition zu wecken, er versucht, uns vor Augen zu führen, und damit unsere Intuition, unsere Aspiration, unsere idealistischen Fähigkeiten zu stimulieren, daß es über uns als Seelen Räume des Seins, des Wissens, des Gewahrseins gibt, von denen wir bisher noch keine Ahnung haben. Und danach streben wir.

Der Evolutionsprozeß wird durch die Aspiration nach höheren Ebenen des Gewahrseins erweckt. Wenn wir uns an verschiedentliche Augenblicke erhellender Erkenntnis erinnern, sehen wir, daß genau dies passierte. Wenn wir die Lektüre eines größeren Abschnitts aus einer der Arbeiten von D.K. beendet haben, sind wir von einem Gefühl der Erleuchtung erfüllt. Wir sind innerlich gewachsen. In einem sehr realem Sinne gibt es tatsächlich mehr Licht, denn die Welt hat sich erweitert, die Sicht auf den Kosmos ist weiter geworden. Wir beginnen, mehr Möglichkeiten im Kosmos und in uns selbst als Teil dieses Kosmos zu erkennen. Zu Anfang reihen wir, mit Hilfe des niederen Denkvermögens, all diese Dinge aneinander, durch reines Nachdenken. Doch gerade durch die Art und Weise, wie sie geschrieben sind, durch die Tatsache, daß D.K. über Dinge schreibt, die das niedere Denken nicht wirklich begreifen und leicht verstehen kann, erweckt er die Intuition. Der Weg der Seele, sich mitzuteilen, geht über die Intuition. Das erhellt, und plötzlich erkennen wir, was uns vorher nicht bewußt war.

Das Bewußtsein erweitert sich durch das Bestreben, zu dem zu gelangen, was über ihm steht. Aber wir sind natürlich träge. Es ist ein schwieriger Weg, und deshalb ist der Evolutionspfad langsam, lang und mühsam. Der Weg nach vorne ist der Weg des Verzichtes. Verzichten ist ein anderes Wort für Nichtverhaftetsein, für innere Unabhängigkeit, Gelassenheit. Maitreya gebraucht das Wort innere Gelassenheit (detachment). Es ist mir noch nicht aufgefallen, daß er das Wort ‘Verzicht’ gebraucht hätte, aber ‘Gelassenheit’ benützt er ständig. Es ist das gleiche. Der Pfad der Evolution ist der Pfad des Entsagung, ist der Pfad der inneren Unabhängigkeit.

Maitryas Mission, Band II, {mm2-360}

Die Formulierung der Wahrheit für das kommende Zeitalter

Daher gehen wir jetzt durch ein Zwischenstadium des Chaos und des Zweifels, der Empörung und daraus folgender, scheinbarer Zügellosigkeit. Die Methoden der Wissenschaft — Forschung und Analyse, Vergleich und Schlußfolgerung — werden auf religiöse Glaubensdinge angewendet. Die Geschichte der Religionen, die Begründung der Lehren, der Ursprung der Ideen und das Wachstum der Gottesidee werden der Forschung und dem Studium unterworfen. Dies führt zu vielen Streitereien und es werden die alten, festgefahrenen Ideen über Gott, die Seele, den Menschen und sein Schicksal verworfen. Es hat immer Geistesrichtungen mit verschiedenen Ideen und Methoden gegeben, und die sechs Schulen der indischen Philosophie haben praktisch alle grundlegenden Vermutungen des Menschen über Warum und Weshalb der sichtbaren Schöpfung umfaßt. Vom Westen ist den Lehrern dieser sechs theoretischen Schulen wenig Neues hinzugefügt worden, obgleich das westliche Denken mit seiner großen Begabung für wissenschaftliche und technische Methoden die Ideen ausgearbeitet und die sechs Theorien in eine Vielfalt kleinerer Lehrsätze zergliedert hat. Aus dem Gemisch von Ideen, Theorien, Spekulationen, Religionen, Kirchen, Kulten, Sekten und Organisationen treten zwei Hauptrichtungen hervor: die eine ist schließlich zum Aussterben verurteilt, die andere soll erstarken und wachsen, bis sie ihrerseits jene (für uns) endgültige

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Formulierung der Wahrheit ins Leben rufen wird, die für das nächste Zeitalter genügt und den Menschen auf eine hohe Zinne des Tempels und auf den Berg der Einweihung führen wird. Diese zwei Richtungen sind:

1. Jene, die rückwärts auf die Vergangenheit schauen, den alten Methoden, den veralteten Theologien und den reaktionären Ablehnungsmethoden zur Auffindung der Wahrheit anhängen. Es sind die Leute, die eine Autorität anerkennen, sei es nun die eines Propheten, einer Bibel oder einer Theologie. Es sind jene, die den Gehorsam gegenüber einer von außen auferlegten Autorität dem selbstauferlegten Geführtwerden durch die erleuchtete Seele vorziehen. Es sind die Anhänger einer Kirche und einer Regierung, die sich zwar durch reine Hingabe und Liebe auszeichnen, dabei aber die göttliche Intelligenz, mit der sie begabt sind, nicht erkennen wollen. Ihre Hingabe, ihre Liebe zu Gott, ihr strenges, aber irregeleitetes Gewissen, ihre Intoleranz kennzeichnen sie als gläubige Gefolgsleute, aber sie sind geblendet durch ihre eigene Hingabe, und ihr geistiges Wachstum wird durch ihren Fanatismus beeinträchtigt. Sie gehören meistens der älteren Generation an und für sie liegt die Hoffnung in ihrer Hingabe und in der Tatsache, daß die Evolution selbst sie weiter in die zweite Gruppe führen wird.

Die erste Gruppe ist mit der Kristallisierungsarbeit betraut, die zur vollständigen Zerstörung der alten Formen führen wird; es ist ihr die Aufgabe gestellt, die alten Wahrheiten genau zu umgrenzen, so daß das Denken der Menschen geklärt wird und die unwesentlichen und die wesentlichen Dinge erkannt werden als das, was sie sind; der Formulierung von Dogmen werden grundlegende Ideen derart gegenübergestellt, daß man das Grundsätzliche erkennen und darum die zweitrangigen, unwichtigen Anschauungen zurückweisen wird; denn nur das Grundsätzliche, Ursächliche wird dem kommenden Zeitalter von Wert sein.

2. Die zweite Gruppe ist bis jetzt noch eine sehr kleine Minderheit, die aber ständig wächst. Es ist jene innere Gruppe der Gott liebenden Menschen, der intellektuellen Mystiker, derer, welche die Wirklichkeit kennen, die zu keiner Religion oder Organisation gehören, sich aber als Mitglieder der Universalkirche und als „Zueinander gehörige Glieder“ betrachten. Sie finden sich aus allen Völkern, Massen und Menschentypen zusammen; es ist unter ihnen

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jede Farbschattierung und Geistesrichtung vertreten, und doch sprechen sie dieselbe Sprache, lernen dieselben Symbole, gehen denselben Pfad, lehnen dieselben Unwichtigkeiten ab und haben dieselbe Substanz wesentlicher Glaubensideen herausgeschält. Sie erkennen einander; sie verehren die geistigen Führer aller Rassen in gleichem Maß und benutzen mit gleicher Freiheit die Bibel der anderen. Sie bilden den subjektiven Hintergrund der neuen Welt; sie stellen den geistigen Kern der kommenden Weltreligion dar; sie sind das vereinende Prinzip, das schließlich die Welt erlösen wird.

In der Vergangenheit hatten wir Welterlöser — Gottessöhne, die eine Weltbotschaft verkündeten und den Menschen ein immer helleres Licht brachten. Jetzt, da die Zeit erfüllt ist, ersteht durch das Wirken der Evolution eine Gruppe, die vielleicht der Welt die Erlösung bringen wird; sie verkörpert die Gruppenidee und zeigt die Gruppenbeschaffenheit auf, offenbart in geringem Maß die wahre Bedeutung des Christuskörpers und gibt der Welt ein Bild vom wahren Wesen eines geistigen Organismus; sie wird die Gedanken und Seelen der Menschen so kraftvoll stärken und beleben, daß das Neue Zeitalter durch ein Ausgießen der Liebe, des Wissens und der Harmonie Gottes Selbst eingeleitet wird.

In der Vergangenheit sind Religionen von einer großen Seele, einem Avatar, einer hervorragenden geistigen Persönlichkeit begründet worden; der Stempel ihres Lebens, ihrer Worte und Lehren wurde der Menschheit aufgedrückt und blieb viele Jahrhunderte lang erhalten. Welche Wirkung wird die Botschaft eines Gruppenavatars haben? Welche Wirkungskraft wird die Arbeit einer Gruppe von Gott-Erkennern haben, welche die Wahrheit verkünden und subjektiv mit dem großen Werk der Welterlösung verbunden sind? Welche Wirkung wird die Sendung einer Gruppe von Welterlösern haben, die zwar nicht als Christusse kommen, aber alle Gott bis zu einem gewissen Grad kennen und einander in ihren

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Bemühungen ergänzen, in ihren Botschaften bestärken und einen Organismus bilden, durch den die geistige Energie und das Prinzip geistigen Lebens sich in der Welt bemerkbar machen könnte? Eine solche Körperschaft besteht jetzt in jedem Lande. Es sind verhältnismäßig wenige und ganz vereinzelte Menschen, aber ihre Zahl wächst ständig, und man wird ihre Botschaft immer mehr zur Erkenntnis nehmen. Ihnen ist ein Geist des Aufbaus verliehen; sie sind die Baumeister des Neuen Zeitalters; ihnen ist die Aufgabe gestellt, den Geist der Wahrheit zu erhalten und die Gedanken der Menschen neu auszurichten, damit das Menschheitsdenken beherrscht und in jenen meditativen, nachdenklichen Zustand gebracht wird, der es ermöglicht, die nächste Entfaltung der Göttlichkeit zu erkennen.

Mit diesen beiden Gruppen, den reaktionären Anhängern einer Doktrin und der subjektiven Gruppe der Mystiker, ist die Mehrzahl der neuen Generation junger Menschen verknüpft, deren Ideen weitgehend dadurch verwirrt sind, daß sie beide Gruppen erkennen. Diese Mehrzahl gehört nicht der Vergangenheit an und lehnt es ab, die Autorität der Vergangenheit anzuerkennen. Sie gehört auch nicht zu der inneren Gruppe der Wissenden, welche an der Aufgabe arbeiten, die Gedanken der Menschen in die rechten Bahnen zu lenken, denn sie hat die Stufe des Wissens noch nicht erreicht. Diese jungen Menschen erkennen nur zwei Dinge: ihr Bedürfnis nach Freiheit und ein intensives Verlangen nach Wissen. Sie verachten die Tradition der Vergangenheit, sie lehnen die alten Formen der Wahrheit ab, und da sie noch nicht auf festem Grund stehen, sondern bisher nur Suchende und Fragende sind, erleben wir diesen gegenwärtigen Zustand des Weltenaufruhrs, der scheinbaren Zügellosigkeit und Spaltung. Es sollte nicht vergessen werden, daß dieser Weltzustand also die Folge davon ist, daß die drei Kräftearten, die in der heutigen Welt vorherrschen, aufeinanderprallen. Diese Kräfte sind:

1. Jene, die von den Anhängern der alten Traditionen ausgehen, welche die Formen und die Vergangenheit betonen und die Zerstörung dieser Formen herbeiführen.

2. Jene, die von der inneren Gruppe der Mystiker ausgehen, welche unter der Leitung der planetarischen Hierarchie die neue Form aufbaut.

3. Jene, die von den Massen ausgehen, welche zu keiner der beiden Gruppen gehören, und welche bis jetzt Kraft noch blindlings

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und oft unvernünftig handhaben; sie werden erst dann besser damit umgehen können, wenn sie jene aufbauenden Kanäle erkennen, in welche die Kraft verständig hineingeleitet werden kann.

Deshalb ist diese Übergangszeit so problematisch und darum besteht die Notwendigkeit, Lehren herauszugeben, die den suchenden Aspiranten und den Fragenden instand setzen, sich selbst zu finden. Darum ist es nötig, die Gesetze der Seele und die Wahrheit über die Entfaltung des Einzelmenschen denjenigen klar zu machen, welche die alten Traditionen von sich weisen und es ablehnen, die Mystik anzuerkennen, jedoch versuchen, sich als befreite Seelen zu erkennen. Wenn sie dies erfahren, werden sie zuverlässig zu aufbauenden Mystikern heranwachsen, denn wenn ein Mensch seine Seele gefunden hat und deren Beziehung zu ihrem Ausdruckswerkzeug, dem dreifachen niederen Menschen, erkennt, dann geht er automatisch in das Bewußtsein des subjektiven Lebens ein; er beginnt, mit den Ursachen zu wirken und verliert sich nicht länger in der Welt der Wirkungen. Dann findet er sich Schulter an Schulter mit den Mystikern und Wissenden aller Zeiten. Dies ist die Richtung, die der heutige, religiöse Impuls einschlägt, und das ist die Herrlichkeit und der Ruhm des kommenden Zeitalters.

Wenn es wahr ist, daß jetzt im Hintergrund unserer gegenwärtigen Weltlage eine Gruppe von Mystikern versammelt wird, die sich — ungesehen und von den Menschen unerkannt — durch Wissen, geistige Schau und die Fähigkeit auszeichnet, auf mentalen Ebenen zu wirken, dann könnte außerdem bemerkt werden, daß diese Gruppe nicht nur auf rein religiöse Menschentypen beschränkt ist. In dieser Gruppe finden sich Männer und Frauen aus jedem Bereich menschlichen Denkens, einschließlich Wissenschaftlern und Philosophen.

Eine Abhandlung über weisse Magie oder der Weg des Jüngers, 04-327